martin

„Umzukehren und abzusteigen ist eine der schwierigsten Entscheidungen in den Bergen. Vielleicht die schwierigste überhaupt. Ich habe lange gebraucht, bis ich das gelernt habe.“

~ Hans Kammerlander ~


… wie wahr, Herr Kammerlander, wie wahr…

Ungefähr zwei Jahrzehnte ist es nun her, dass ich sowohl am Kanin, in den Julischen Alpen, als auch am Monte Chiavals, der zu den Karnischen Alpen zählt, umkehren musste. Waren es am Kanin die Witterungsverhältnisse, die meinen Papa und mich zum Umkehren zwangen, so war es am Chiavals der doch zu sehr ausgesetzte Weg – wir entschieden beide Male richtig, was ich aber damals noch nicht verstehen konnte, oder vielleicht sogar nicht wollte. 

Dabei hat alles so gut begonnen: schon von klein auf nahmen mich meine Eltern und Großeltern regelmäßig in die Bergwelt des Murtals mit. Ich wuchs sozusagen mit den Bergen auf und genoss deren „Gesellschaft“. Eine Tour, die mir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist, ist die Überschreitung des Krn, im südlichen Teil Sloweniens. „Warum? Der Krn ist als Berg ja eigentlich nichts aufregendes?!“ Ist er doch: ich verbinde so viele Erinnerungen mit diesem Berg. Beim Aufstieg lösten sich bei meinen Schuhen die beiden Sohlen ab – wir versuchten diese mit Schnüren an den Schuh zu binden, was für den restlichen Weg zur Krn-Hütte reichte. Der dortige Hüttenwirt versuchte diese zu kleben, doch am nächsten Morgen, als wir uns auf den Weg zum Sonnenaufgang auf dem 2.244 Meter hohen Gipfel machten, lösten sich diese recht schnell wieder ab und ich beendete die Tour mit kaputtem Schuhwerk. Es war aber nicht der Sonnenaufgang, der Gipfelsieg oder die erfolgreiche Überschreitung, die mir so wichtig war bzw. ist. Vielmehr der Fakt, dass jene Tour im Jahr 1997 die einzige ist, die ich mit meinem Papa und meinem Opa gemacht habe – sozusagen drei Generationen – unvergessliche Momente.

Nach den oben bereits erwähnten Negativerlebnissen am Kanin und Chiavals „beendete“ ich meine „Bergkarriere“. Es folgten viele Jahre, in denen ich die Natur mit dem Rad erkundete. Ich mochte die Nähe zum Berg weiterhin, dennoch verspürte ich keinerlei Motivation auf einen raufzukraxeln. Vielmehr genossen wir es, unzählige Alpenpässe mit unseren Rädern abzufahren.

Vor zwei Jahren fand ich den Weg zurück auf die Gipfel und genieße seither jede einzelne Sekunde, die ich entweder alleine, oder mit meinen Begleitern am Berg verbringen kann. Besonders schön dabei: viele meiner Touren erlebe ich mit meiner Freundin, mit Familienmitgliedern oder sehr engen Freunden – was gibt’s schöneres?