Gefrorener See & Dreistecken

2.382m | Rottenmanner Tauern, Steiermark

Der „große Unbekannte“ im Schatten der Bösensteine


Von der Edelraute Hütte führt eine der beliebtesten Touren der gesamten Region über die Bösensteine und den Hengst zurück zu den beiden Scheiblseen, doch nicht weniger imposant und aussichtsreich ist ein Aufstieg, über den idyllisch gelegenen Gefrorenen See, zum Dreistecken. Für konditionsstarke Wanderer bietet sich sogar eine ausgedehnte Tour von der Edelraute Hütte bis zur Rottenmanner Hütte an. Unser kleines Wandertrio „begnügte“ sich aber mit dem eher unbekannten Dreistecken – eine verlassene Tour in einer traumhaften Landschaft.

Der Ausgangspunkt für unsere Tour ist von der Ortschaft Hohentauern über eine Mautstraße erreichbar. Pro PKW wird eine Benutzungsgebühr von 8€ eingehoben. Wir kommen um zirka 7:15 Uhr beim Parkplatz an und starten bei prachtvollem Wetter in unsere bevorstehende Tour. Kurz vor der Edelraute Hütte biegen wir rechts ab und folgen von nun an dem Wanderweg 944c, der über die Hochhaide bis zur Rottenmanner Hütte führt. Bis zur auf 1.652 Meter hoch gelegenen Ochsenkar Jagdhütte geht es für uns auf gut markierten, teilweise etwas felsigen Steigen – auch eine Alu-Leiter muss „überwunden“ werden. Nach zirka 40 Minuten kommen wir bei der Ochsenkarhütte an und biegen links ab. Dort präsentiert sich uns der Große Bösenstein in all seiner Pracht, links können wir einen Blick zum bereits „gut gefüllten“ Gipfel des Hauseck werfen. Wir überqueren den Ochsenkarbach und steigen durch das Ochsenkar in Richtung Gefrorener See auf. Der Weg dorthin zieht sich etwas und wir brauchen ein bisschen länger als eigentlich angenommen, bis wir beim Naturjuwel auf 2.060 Metern Seehöhe ankommen. Dort legen wir eine kurze Pause ein und werfen dabei einen Blick auf den weiteren Aufstiegsweg.

Nach einigen Aufnahmen von der herrlichen Landschaft schultern wir unsere Rucksäcke und machen uns wieder auf den Weg. Zuerst über Blockgestein, dann immer steiler werdend über einen Wiesenhang, der stellenweise etwas ausgewaschen ist. Die letzten Meter bis zur Scharte geht es über nackten Fels – eigentlich sollte hier auch ein Stahlseil montiert sein, um die Stelle etwas einfacher zu gestalten (das Seil war zwar da, lag aber ausgerissen am Einstieg in die Felspassage). So kraxeln wir konzentriert die letzten Höhenmeter empor – als Belohnung gibt es einen traumhaften Ausblick in die Schladminger Tauern und ins Tote Gebirge. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es für uns rechts weiter – linkerhand führt der teils sehr ausgesetzte Weg 944 über den Sonntagskarspitz und den Dreisteckengrad auf den Großen Bösenstein. Die letzten knapp 200 Höhenmeter geht es, stellenweise am Grat entlang, zum Gipfel des 2.382 Meter hohen Dreistecken. Dort angekommen reicht der Blick vom Reiting, über das Gesäuse und die Haller Mauern, weiter zum Toten Gebirge, bis zum Dachstein – einfach traumhaft. Mutterseelenalleine legen wir beim kleinen aber feinen Gipfelkreuz eine ausgedehnte Pause ein und überlegen, wie sich wohl der Weiterweg zur Hochhaide präsentiert, kommen aber schnell zum Schluss, dass wir diese Tour von der Rottenmanner Hütte in Angriff nehmen werden.

Mittlerweile ist es kurz nach halb 12, schön langsam packen wir unsere Rucksäcke zusammen und steigen wieder in die Scharte ab. Die felsige Passage stellt auch im Abstieg keinerlei Problem dar, einige Minuten später stehen wir auch schon wieder am Ufer des Gefrorenen Sees. Die Temperaturen steigen, somit kommt das kühle Nass gerade richtig und schon landet der Kopf im wohltuenden Wasser. Wir folgen unserem Aufstiegsweg zurück bis kurz vor das kleine Brückerl, welches uns wieder über den Ochsenkarbach bringen sollte. Mitten am Weg hat sich nun aber eine Herde Kühe positioniert, die uns fest im Blick hat. Die Kühe sind neugierig und kommen immer näher auf uns zu. Wir beschließen uns kurzzeitig zu trennen – ich versuche die Herde von Jacky und Carina wegzulocken, was schlussendlich auch gelingt. So können die beiden „ungestört“ hinter den Tieren vorbeihuschen und auch ich komme ohne Zwischenfall ans andere Ufer. Die Kühe waren einfach nur neugierig und interessiert an uns, dennoch sollte, gerade bei so einer großen Herde, immer Vorsicht geboten sein. Nach diesem kurzen Anstieg des Adrenalinspiegels geht es für uns über das Auf und Ab zwischen Ochsenkarhütte und Edelraute zurück zur gut gefüllten Gaststätte. Dort stoßen wir um kurz vor halb 3 Uhr auf eine gelungene Tour an, füllen unseren Elektrolythaushalt wieder auf und lassen uns Wildgulasch, Schnitzel und Kaiserschmarrn schmecken. 

Der Aufstieg zum Gefrorenen See kann wirklich jedem Naturliebhaber empfohlen werden, will man auch weiter zum Dreistecken, der bereits im Bezirk Liezen liegt, so sind Trittsicherheit und ein gewisses Maß an Schwindelfreiheit Voraussetzung, den gerade am Grat zum Gipfel gibt es direkt neben dem Weg ab und an beeindruckende Tiefblicke. Während sich an schönen Wochenenden die Wanderer über die Bösenstein-Runde schieben, ist man im Gebiet um den Dreistecken weitestgehend alleine unterwegs. Das nur zur Hälfte befüllte Gipfelbuch, mit dem ersten Eintrag aus dem Jahr 2013, bestätigt das. Somit ist die Wanderung über den Gefrorenen See zum Dreistecken ein echter Geheimtipp, die der prominenten Bösenstein-Runde aber um nichts nachsteht.

Infobox
Start - Ziel:Parkplatz Edelrautehütte
Höhenmeter:900
Distanz (km):13,4
Gehzeit (exkl. Pausen):4,5-7h
GPX-File Download:Link

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