Eisenhut

2.456m | Wölzer Tauern, Steiermark

Steil auf den Aussichtspunkt hoch ober den Zwieflerseen


Zurück in meinen geliebten Wölzer Tauern! Für mich ist diese Region mit die schönste und auch einsamste in meiner näheren Umgebung. Einige Gipfel durfte ich in diesem Gebirgszug bereits besteigen, einer blieb bis vor kurzem noch „stehen“ – der Schöderer Eisenhut. Er markiert zusammen mit dem Karleck den  „Abschluss“ eines südöstlich gezogenen Kamms, der vom Schöderkogel bis ins Tal, nach Schöder, führt. Kein Gipfel stand länger auf meiner Liste als der Eisenhut, nun konnte ich dieses lang ersehnte Ziel endlich erreichen.

Vor drei Tagen noch auf dem Eisenerzer Reichenstein, nun geht’s zurück ins Oberland, in „meine“ Wölzer Tauern. Die Wetterprognose könnte besser nicht sein, denn Dank eines über Mitteleuropa liegenden Hochdruckgebiets steht wieder ein stabiler Spätsommertag bevor. Genau aus diesem Grund starten Jasmin und ich recht früh, bereits um halb 7 parken wir das Auto beim ausgeschilderten Parkplatz „Zwieflerseen“ an der Sölkpassstraße, kurz vor der Kreutzerhütte. Etwas unterhalb des Parkplatzes steht der erste Wegweiser: „Eisenhut, rot markiert, 4h 30min“ – wir sind erstaunt, haben wir eigentlich weniger Zeit für den Aufstieg veranschlagt. Nun gut, wir werden sehen.

Die Tour ist durchgehend perfekt markiert, die Markierungsarbeiten dürften auch noch nicht allzu lange zurückliegen. Wir folgen dem auch immer gut ersichtlichen Weg vorbei und steigen, stets vom Rauschen des Gastlbaches begleitet, auf. Mäßig steil, Forststraßen querend, gewinnen wir rasch an Höhe und biegen bei einer kleinen Wehr links ab – hier gibt es den ersten Blick auf den Eisenhut. Von nun an wird’s etwas steiler, die verbleibenden Höhenmeter bis zum Unteren Zwieflersee müssen wir uns verdienen. Teils felsig, teils gatschig und erdig müssen wir unsere Schritte durchaus mit Bedacht setzen. Vom Parkplatz bis zum ersten der beiden Seen sind es ungefähr 500 Höhenmeter, die wir in etwas mehr als einer Stunde hinter uns bringen. Direkt am See campieren zwei Wanderer, in aller Ruhe schieße ich einige Fotos vom idyllisch gelegenen See samt „perfektem Backdrop“, den der Arlkogel bietet. Links ist nun auch schon unser Gipfelziel in voller Pracht zu sehen. Wir spazieren am Seeufer entlang und kommen etwas später zu einer Weggabelung, welche uns rechts zum Oberen Zwieflersee geführt hätte. Für uns ist der aber heute keine Option, so halten wir uns links und folgen dem Weg 798. Zwei Stunden sollen es laut Wegweiser noch bis zum Gipfel sein, somit ist uns auch klar, dass die erste Beschilderung mit 4h 30min etwas zu viel war. 

Über ein paar sanfte Geländekuppen und begleitet von einigen Sonnenstrahlen marschieren Jasmin und ich nun geradewegs auf den Eisenhut zu. Je näher wir ihm kommen, umso steiler wird der Weg. Abwechslungsreich erklimmen wir eine erste Geländekante, von welcher sich der Weg dann auf direktem Wege in die Höhe zieht. Es ist steil, sehr steil und die Sonne trägt ihren Teil dazu bei, dass mein Tempo etwas langsamer wird. Ich kämpfe mich von Markierung zu Markierung und freue mich, als der Weg sich nach links dreht – wir befinden uns nun nämlich im letzten Stück, kurz vor der Scharte. Knappe 600 Höhenmeter sind es vom See bis zum Aussichtspunkt in Richtung Süden, welchen wir, nach kurzen felsigen und blockigen Passagen, um kurz nach halb 10 erreichen. Eine kurze Trinkpause vor dem finalen Gipfelsturm muss ein, ein Blick in Richtung Ziel lässt uns auch schon das kleine Gipfelkreuz erkennen. 15 Minuten haben wir noch vor uns – kurz vor dem Gipfel stehen wir vor der Wahl, ob wir über einen Felsblock klettern, und ausgesetzt den Eisenhut erklimmen oder ob wir, teils seilgesichert, ein Stück absteigen, den Gipfelaufbau queren und danach den höchsten Punkt unserer Tour erreichen wollen. Wir entscheiden uns für die zweite Option und wundern uns, dass die Wanderung auf den Eisenhut mit rot markiert ist. Gerade der Abstieg und die Querungen sind nicht für Jedermann geeignet. Hier sollte man definitiv konzentriert bei der Sache sein, es geht durchwegs steil bergab.

3,5 Stunden sind vergangen, als wir den Parkplatz verlassen haben – nun stehe ich endlich am Schöderer Eisenhut und kann die Aussicht in die umliegende Bergwelt in vollen Zügen genießen. Viele meiner bereits erreichten Gipfelziele kann ich ausmachen: das Deneck, den Greim, die Hornfeldspitze oder das Bauleiteck. Dazu gesellen sich zukünftige Ziele wie der Große Knallstein – der Beherrscher des Sölktals, oder auch der Preber, der im Westen hervorblinzelt. Nun ist es aber Zeit für eine ausgedehnte Rast und einige Luftaufnahmen. Am Gipfel treffen wir dann auch noch auf ein Paar aus der Weststeiermark – auch die beiden finden, dass der Schlussanstieg durchaus fordernd ist, sollte man ein solches Gelände nicht gewohnt sein.

Nach 50-minütiger Rast am 2.456 Meter hohen Eisenhut machen wir uns wieder auf den Weg nach unten. Wir folgen unserem Aufstiegsweg und wundern uns, dass uns im Abstieg noch einige Wanderer entgegen kommen – mir wäre es jetzt schon viel zu heiß um mich noch in  Richtung Gipfel zu quälen. Keine 1,5 Stunden später stehen wir wieder am Zwieflersee und entscheiden uns für eine Abkühlung im glasklaren Gebirgswasser. Jasmin geht sogar soweit und stürzt sich komplett in die Fluten, ich belasse es beim Füße baumeln lassen. Nach einer halben Stunde geht es dann wieder weiter und wir steigen am Aufstiegsweg ab. Um kurz nach halb 2 treffen wir am Parkplatz ein und beenden eine landschaftlich äußerst reizvolle Tour, für die man aber Kondition und im oberen Bereich ein gewisses Maß an Erfahrung mitbringen muss. Für mich persönlich eine meiner schönsten Touren und die ideale Einstimmung auf das, was am nächsten Wochenende kommen wird…

Infobox
Start - Ziel:Parkplatz Zwieflersee / Sölkpassstraße
Höhenmeter:1105
Distanz (km):10,5
Gehzeit (exkl. Pausen):4,5-6
GPX-File Download:Link

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