Großer Ebenstein

2.123m | Hochschwab, Steiermark

Am westlichen Aussichtsposten des Hochschwabs


Im Westen des Hochschwabmassivs steht ein markanter Felsklotz, der aus allen Himmelsrichtungen klar erkennbar ist – der Große Ebenstein. Beliebt als grandiose Aussichtskanzel hoch ober der Sonnschienalm, schreckt der Berg aber mit einem recht langen „Zustieg“ den einen oder anderen Wanderer ab. Wenn man sich die Strapazen antut, wird man aber mit einer unvergleichlichen Aussicht im Norden der Steiermark belohnt.

Unverhofft kommt oft – so könnte man die Tour auf den Großen Ebenstein passend bezeichnen. Es ist Mittwoch, der 12. Juli, als ich Jasmin frage, was am Wochenende denn auf dem Plan stünde. „Ebenstein, Fölzstein, Zinödl“ bekam ich retourniert. Bis Freitagabend war aber dennoch nicht klar, wohin wir dann wirklich aufbrechen werden, kurzzeitig stand auch eine ausgedehnte Tour über die Hohe Weichsel zur Voisthalerhütte auf dem Programm. Schlussendlich ruderten wir aber zur allerersten Option zurück, Jasmins „to-do“-Berg, den Großen Ebenstein. 

Der Wetterbericht verheißt „nichts Gutes“: weit über 30 Grad! Somit ist für uns klar, dass wir unsere Tour sehr früh starten werden. Um 5Uhr treffen wir uns also beim Knoten St. Michael und machen uns auf den Weg in Richtung Grüner See und weiter in die Jassing. Wichtig: direkt am Grünen See ein Parkticket lösen, denn bei den Parkmöglichkeiten in der Jassing, und davon gibt es jede Menge, ist kein Automat vorhanden! 6€ sind für einen Stellplatz zu bezahlen. Ja, wir haben’s übersehen, mussten nochmals umdrehen und verloren dadurch einige Minuten. Somit starteten wir erst um 06:20 Uhr in Richtung unseres ersten Etappenziels – der Sonnschienalm.

Für den Aufstieg gibt’s zwei Varianten: den langen Fußmarsch über die „Russenstraße“, die man aber auch über den sogenannten „Schinder“ abkürzen kann. Jasmin und ich entscheiden uns im Aufstieg für die gut erhaltene Straße und tratschen uns Höhenmeter für Höhenmeter weiter nach oben. Nach zirka 1,5 Stunden und ungefähr 600 Höhenmetern erreichen wir das weitläufige Plateau, in welches die Sonnschienalm lieblich eingebettet liegt. Von hier präsentiert sich auch unser Tagesziel in all seiner Pracht. Nach ein paar Fotos marschieren wir noch ein paar Meter die Straße entlang und biegen dann auf den Wanderweg 829 ab. Von nun an geht es durch wunderschön idyllisches Almgelände. Durch kurze Waldstücke, über felsigere Passagen und durch große Latschengassen wandern wir in Richtung Nordwesten. Auf zirka 1650 Metern Seehöhe gelangen wir zum Sonnschienbründl, aus welchem aber nur spärlich Wasser tropft. Mehr als eine kurze Abkühlung ist nicht drin, wir sind froh, dass wir genügend Flüssigkeit in unseren Rucksäcken haben. 

Beim Bründl verlassen wir den 829er und folgen von nun an dem Wanderweg 831 in nördlicher Richtung. Das Gelände wird etwas steiler und auch die Temperaturen steigen nun spürbar an. Nach zirka 100 Höhenmetern erreichen wir eine traumhaft gelegene Wegkreuzung, von welcher aus man einen ersten Blick auf den markanten Brandstein und die grimmig wirkende Schaufelmauer hat. Wir müssen eine kurze Pause einlegen und diese wunderbare Landschaft auf uns wirken lassen. Bis zum Kleinen Ebenstein sind es noch um die 200 Höhenmeter, die wir nun über steiler werdendes Gelände hinter uns bringen. Beim kleinen Bruder des Großen Ebensteins angekommen, richten sich unsere Blicke aber gleich auf die letzte Etappe unseres Aufstiegs. Nach einem kurzen Flachstück geht es an den finalen Gipfelsturm auf den Ebenstein, der in etwa 150 Höhenmeter beinhaltet. In kurzen Serpentinen schlängelt sich der nun immer steiniger werdende Weg die Südseite entlang, Im oberen Teil queren wir den Gipfelaufbau in nun vollkommen felsigem Terrain. An manchen Stellen helfen Seilversicherungen, ausgesetzt ist es hier aber nicht – bei Nässe ist dennoch Vorsicht geboten. 

3,5 Stunden sind Jasmin und ich unterwegs, als wir den „Vorgipfel“ des 2.123 Meter hohen Großen Ebensteins nach mehr als 1200 Höhenmetern und guten zehn Kilometern Aufstieg, erreichen. Es ist mittlerweile 10 Uhr und wir lassen uns unsere Gipfeljause so richtig schmecken. Dabei bietet sich uns ein wirklich grandioses Bergpanorama: angefangen vom Brandstein, über die Hochtorgruppe, Kaiserschild und meine Heimatberge, die Seckauer Alpen, bis hin zum östlich gelegenen Buchbergkogel und den Hochschwab – die traumhafte Fernsicht lässt eine Vielzahl an Gipfel erkennen. Sogar der Ötscher grüßt aus dem Norden herüber. Nach 40-minütger Gipfelrast schultern wir unsere Rücksäcke und machen uns an den Abstieg. Bewusst lassen wir den eigentlich höchsten Punkt des Großen Ebensteins aus, zu verlockend ist der bereits winkende Radler auf der Sonnschienalm. 

Im Abstieg halten wir nochmals an der oben bereits erwähnten Weggabelung, wo ich noch einige Luftaufnahmen mache. Danach geht es schnellen Schrittes durch die Latschengassen zur Schonnschienhütte, wo wir kurz vor 12 Uhr mittags eintreffen und uns ein schattiges Plätzchen suchen. Dann stoßen Jasmin und ich auf eine wirklich grandiose, wenn auch konditionell etwas fordernde Tour auf den westlichen Aussichtsposten im Hochschwab an. Etwas abgekühlt, folgen wir zu Beginn der Russenstraße, kürzen diese dann aber über den Schinder ab und gelangen somit um einiges schneller zu unserem Ausgangspunkt, den Parkplatz kurz vor der Jassing-Alm, der nun brechend voll ist. Nach insgesamt gut sieben Stunden und knapp 20 Kilometern und etwas unter 1300 Höhenmetern beenden wir die Tour auf den Großen Ebenstein und verlassen das Gebiet mit einigen neuen Ideen für zukünftige Abenteuer – so ist das eigentlich immer!

Für fitte Bergwanderer, die sich regelmäßig etwas längeren Touren „stellen“, kann ich den Gipfelsturm auf den Großen Ebenstein sehr empfehlen. Für alle Genusswanderer und jene, die nicht nach jedem Höhenmeter jagen, bieten sich in dieser Gegend genügend Optionen: sei es eine Rundwanderung um den Grünen See, eine kurze aber knackige Gipfeltour zum Kamplspitz oder Hütten-Hopping von Jassing- auf die Sonnschien- und weiter zur Häuslalm. Das gute am Hochschwab: er bietet wirklich jedem etwas!

Infobox
Start - Ziel:Parkplatz Jassing
Höhenmeter:1250
Distanz (km):19,5
Gehzeit (exkl. Pausen):5-7h
GPX-File Download:Link

 

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