Großes Tragl

2.184m | Totes Gebirge, Steiermark

Von der Almidylle in die Mondlandschaft


Zurück auf der Tauplitz! Schon seit längerer Zeit steht die Tour auf das Große Tragl auf Xenias und meiner Liste. Eine Tour, die einen in das unwirkliche Gebiet des Toten Gebirges eintauchen lässt. Ein Tapetenwechsel zu den oftmals so „grünen“ Touren, die wir abwandern. Wer sich wie Neil Armstrong bei der Mondlandung fühlen will, ist am Weg aufs Tragl bestens aufgehoben.

Es ist Mitte Oktober – die Tour auf den Hochgolling, das Highlight meines Bergjahres 2023 liegt bereits einige Wochen hinter uns, wir wollen aber noch eine schöne Abschlusstour absolvieren und entscheiden uns für das Große Tragl, einen Koloss aus Dachsteinkalk, der von der Tauplitz erwandert werden kann. Für mich ist die Anreise dann doch recht zeitintensiv, recht früh geht es los, denn bereits um zehn vor Acht starten Xenia und ich am Parkplatz der Tauplitz. Nur eine Handvoll Autos stehen auf dem riesigen Parkplatz, der über die gebührenpflichtige Panoramastraße erreicht werden kann.

Wir folgen zuerst der Asphaltstraße in Richtung Osten und wandern dann weiter in Richtung Berghof Tauplitzalm. Im Südwesten können wir den Hochgolling ausmachen, der in der morgendlichen Sonne in ein zartes Orange getaucht ist. Nach einer Viertelstunde ist das Große Tragl erstmals auch angeschrieben und ich staune nicht schlecht als ich sehe, dass eine Gehzeit von 3h 30min angegeben ist. Es sind ja eigentlich nur um die 7 Kilometer und in etwa 700 Höhenmeter – das müsste doch schneller gehen? Wie es sich im Verlauf unserer Tour zeigen wird, hat es durchaus seine Gründe, warum die Tour mit 3,5 Stunden angeschrieben ist. Aber der Reihe nach.

Am Weg der 6-Seen-Wanderung, einer der beliebtesten Touren der gesamten Steiermark, geht es für Xenia und mich bis kurz vor den traumhaft gelegenen Steirersee. Abgerundet wird diese wirklich traumhafte Landschaft durch den markanten Sturzhahn, der sich im Norden „aufdrängt“. Er ist ein wahres Klettereldorado und auch irgendwie im Visier von Xenia – aber nicht heute! Auf zirka 1570 Metern Seehöhe und nach in etwa einer Stunde Gehzeit biegen wir links ab und folgen der Beschilderung Richtung Tragl – nun am Wanderweg 276. Von hier an wird das Gelände steiler, der Weg schmäler und in weiterer Folge auch etwas felsiger. Im Süden zeigen sich nun immer mehr Gipfel, allen voran natürlich der majestätische Grimming, dem Beherrscher dieser Region.

Über einige Geländekuppen gewinnen wir nun recht rasch an Höhe und mit jedem Meter scheint sich die Vegetation mehr und mehr zurückzuziehen. Das saftige Grün weicht nun fast komplett dem Weiß des Dachsteinkalks – nur vereinzelt gibt es ein paar Farbtupfer, die das Schrofengelände auflockern. Von nun an heißt es auch Konzentration, denn das Gebiet ist nur so übersäht von Dolinen. In eine stürzte im März 1948 der damals 27-jährige Linzer Herbert Jungbauer. Er konnte aus der über 100 Meter tiefen Doline nicht mehr geborgen werden. Am Weg zum Tragl kommt man auch am Jungbauerkreuz vorbei.

Stets in nördlicher Richtung geht es mäßig steigend vorbei am Kleinen und am Großen Tragl, ehe der Weg nach gut 2,5 Stunden in westlicher Richtung abzweigt. Die Landschaft präsentiert sich äußerst karg, wirkt leblos, hat aber irgendwie auch etwas Faszinierendes an sich. Vorbei an großen Felsblöcken, über einige Platten, über kleine Felsstufen geht es für zum Traglhals, von wo es nur mehr wenige Minuten bis zum Gipfelsieg am 2.184 Meter hohen Großen Tragl sind.

Und ja: etwas mehr als drei Stunden sind wir insgesamt unterwegs, als wir am wunderschön gelegenen Aussichtspunkt ankommen. Keine Menschenseele haben wir ab dem Steirersee getroffen, auch der Gipfelsieg gehört nur uns beiden allein. Eine knappe Stunde verbringen wir am Tragl, entscheiden uns am Ende auch gegen einen Abstecher zum vorgelagerten Kleinen Tragl. Vielmehr wollen wir die Zeit nutzen und einige Gipfel und zukünftige Ziele ausmachen. Der Dachstein ist zum Greifen nah, im Norden lassen sich einige hohe Vertreter des Toten Gebirges erkennen. Um fast genau 12 Uhr mittags geht für uns wieder talwärts.

Im Abstieg folgen wir exakt dem Aufstiegsweg, lassen uns aber genügend Zeit um das prachtvolle Wetter zu genießen. Nicht zu heiß, ein leichtes Lüfterl, einfach ein idealer Bergtag, den wir im Toten Gebirge verbringen dürfen. Nach etwas mehr als 1,5 Stunden Abstieg kommen wir wieder oberhalb des Steirersees zur Kreuzung mit dem 6-Seen-Rundweg und folgen von da an dem Weg bis zur Grazerhütte. Diese wurde von 1933 bis 1924 vom berühmten Alpinisten Heinrich Harrer geleitet. Auf 1.620 Metern Seehöhe lassen wir uns nun unseren Radler schmecken und nehmen danach die letzten Meter bis zum Parkplatz in Angriff. Um kurz vor 15 Uhr kommen wir beim Auto an und beenden eine landschaftlich äußerst reizvolle Tour. Für mich ist es auch der Abschluss eines spannenden, wenn auch aufgrund unseres Hausbaus nicht ganz so „vollgepackten“ Wanderjahres.

Die Tauplitz bietet Wanderern und Familien eine Vielzahl an Optionen, um traumhafte Stunden in einer wirklich sehenswerten Alm- und Bergwelt zu verbringen. Für den Aufstieg aufs Große Tragl sollte man vor allem ab dem Übergang in das schrofige Gelände stets konzentriert zur Sache gehen – die Dolinen verzeihen keine Unachtsamkeit. Bei Schlechtwetter ist von einem Aufstieg abzuraten. Technische Schwierigkeiten bietet der Aufstieg keine, mit etwas Wandererfahrung steht einem Gipfelsturm im Toten Gebirge nichts mehr im Weg.

Infobox
Start - Ziel:Parkplatz Tauplitzalm
Höhenmeter:850
Distanz (km):15,5
Gehzeit (exkl. Pausen):4,5-6,5h
GPX-File Download:Link

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