Hochgrabe

2.951m | Villgratner Berge, Osttirol

Die Königin des Villgratentals


Mit 2.951 Metern ist die Hochgrabe der dritthöchste Gipfel der Villgratner Berge – nur die Weiße Spitze (2.962m) und die Rote Spitze (2.956m) sind noch ein Stückchen höher. Für mich hat dieser traumhafte Aussichtspunkt eine ganz besondere Bedeutung: vor 38 Jahren feierten mein Vater und mein Opa einen Gipfelsieg auf der Hochgrabe und seit ich in den Bergalben das Gipfelfoto gesehen habe, wollte ich ebenfalls dort hinauf. Exakt 13.920 Tage später erlebten Jacky und ich eine echte Traumtour, welche wir in vollen Zügen genossen.

Es ist Wandertag 2 unseres Osttirol-Kurzurlaubs – schon lange daran gedacht, heute soll es mit dem Aufstieg auf die Hochgrabe endlich klappen. Von Innervillgraten sind es nur wenige Minuten nach Außervillgraten, dort biegen wir links ab und folgen der Straße ins Winkeltal. Die letzten sechs Kilometer bis zur auf 1.880 Meter gelegenen Volkzeiner Hütte geht es über eine Schotterstraße, wirklich schnell fahren wir aufgrund der traumhaften Landschaft aber sowieso nicht. Die Uhr zeigt 8:45 Uhr, als wir uns beim Parkplatz auf den Weg machen. Am linken Ufer des Schrentebachs geht es für wenige Minuten taleinwärts, danach folgen wir einem Steig durch stufiges Gelände. Recht bald bieten sich uns erste Blicke auf den mächtigen Wasserfall des Schrentebachs, das Rauschen wird uns noch für eine ganze Weile begleiten. Immer wieder bleiben wir kurz stehen und genießen die Bergriesen rundherum, die sich uns von Beginn an präsentieren. Vor allem die 2.797 Meter hohe Hochalmspitze blinzelt des Öfteren herüber – natürlich schaffte sie es auf meine „bucket list“. 

Nach einer gemütlichen Stunde mit einigen Fotostopps kommen wir zur ersten Weggabelung, welche mich irgendwie irritiert. Laut Beschilderung geht es rechts zur Hochgrabe, links zum Degenhorn – als alter Karten-Nerd, der sich immer gut vorbereitet, weiß ich aber, dass die beiden Berge genau umgekehrt „stehen“, somit folgen wir dem Weg geradeaus – auch weil ich rechts keinen durchgehenden Weg erkennen kann. Wir wandern durch satte, grüne aber durchaus steile Graslandschaften und gewinnen rasch an Höhe. Wieder einmal durchqueren wir eine Kuhherde und bringen auch eine felsigere Passage, kurz vor dem Schrentebachboden, hinter uns. Dort ist der Weg zwar schmäler, aber mit etwas Konzentration ist diese recht kurze Hangquerung kein Problem. Wir staunen nicht schlecht, als wir oben ankommen und linkerhand abbiegen, denn von nun an haben wir unser Ziel samt Gipfelkreuz ständig vor der Nase. Wir erholen uns auf einem recht ebenen Stück und wandern in südlicher Richtung gemütlich auf die Hochgrabe zu. Kurz bevor das Gelände wieder ansteilt, biegt der Weg rechts zum Großen Degenhorn ab – auch diesen Gipfel , der fünf Meter niedriger als die Hochgrabe ist, würde ich gerne einmal besuchen. 

Wir sind mittlerweile auf über 2.400 Meter Seehöhe und mit jedem gewonnen Höhenmeter kommen weitere Berge zum Vorschein. Dank der grandiosen Fernsicht an diesem Tag, präsentiert sich Österreichs höchster Berg, der Großglockner, ganz klar – immer wieder zieht es unsere Blicke nach Nordosten, zum „Schwarzen Berg“. Schön langsam müssen wir den Fokus aber auf unsere weitere Wegstrecke legen, denn Stück für Stück wird der Weg steiniger. Ab einer Höhe von zirka 2.600 Metern geht es durchwegs über Schotter oder kleinere Felsblöcke dem Gipfel entgegen. Vor dem finalen Gipfelanstieg passieren wir noch das Goldtrögele und legen eine kurze Pause ein – wir haben an diesem perfekten Bergtag keine Eile und wollen uns die Kräfte nach unserer Tour am Tag zuvor gut einteilen. Bemerkenswert: durch das Labyrinth der „Wilden Platte“, ein Gelände voller wackeliger Steine, welches aber dennoch eher ungefährlich ist, führt ein perfekt markierter Weg. Die letzten zirka 250 Höhenmeter geht es zuerst recht steil in Richtung Grat, welchen wir dann konzentriert bis zum Gipfel folgen. Hier ist definitiv Trittsicherheit vorausgesetzt, jeder Schritt will auf den wackeligen Steinen wohl überlegt sein. 

Es ist weit nach 13 Uhr, als Jacky und ich am Gipfel eintreffen – ein durchaus emotionaler Moment für mich. Für meinen heutigen Rucksack ist es der zweite Besuch am Gipfel, damals schulterte ihn mein Papa und trug ihn auf den knapp 3.000 Meter hohen Gipfel. Auch das Gipfelfoto von damals habe ich mit im Gepäck. Das sind die Kleinigkeiten, die Momente wie diese sehr speziell machen. Wir verbringen über eine Stunde auf der Hochgrabe, sitzen einfach nur da und lassen die Gegend auf uns wirken. Unsere Blicke ziehen von den Lienzer Dolomiten über die Glocknergruppe, zum Großvenediger und weiter in Richtung Westen – einfach atemberaubend.

Um kurz vor halb 3 Uhr nachmittags machen wir uns wieder an den Abstieg. Gerade auf den ersten 250 Höhenmetern bergab ist wieder Vorsicht geboten – wir lassen uns Zeit, auch weil Jacky mit diesem Untergrund wenig Freude hat. Ich weiß auch sehr wohl, dass sie diese Tour nur mir zuliebe mitgemacht hat. Aber mit jedem verlorenen Höhenmeter wird das Gelände einfacher und wir wandern entspannt in nördlicher Richtung weiter nach unten. Unzählige bizarre Felsformationen bieten genügend Fotomotive, im Abstieg packe ich auch noch einige Male die Drohne aus, um diese beeindruckende Landschaft einzufangen. Wieder im Schrentebachboden angekommen, wollen wir eigentlich einen anderen Weg nach unten nehmen. Als wir beim Wasserfall ankommen und ich den Weg, der auf der anderen Seite nach unten führen sollte, nur in Bruchteilen ausmachen kann, entscheiden wir uns weiter über unsere Aufstiegsroute abzusteigen. Vorbei an der traumhaft gelegenen Heinkaralm, schleppen wir uns nun schon recht erschöpft in Richtung Parkplatz, welchen wir um zirka 17:30 Uhr erreichen. Schuhe gewechselt, Rucksäcke verstaut und schon geht es ein paar Höhenmeter rauf zur Volkzeiner Hütte, wo wir auf eine eindrucksvolle und unvergessliche Tour anstoßen und uns Bratwürstl, Spiegelei und Röstkartoffeln schmecken lassen. Und das, so hat mir es mein Papa danach mitgeteilt, vermutlich am selben Platz, auf welchem die anderen beiden Generationen vor knapp 40 Jahren gesessen sind. 

Infobox
Start - Ziel:Volkzeiner Hütte
Höhenmeter:1100
Distanz (km):13
Gehzeit (exkl. Pausen):4,5-7h
GPX-File Download:Link

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.