Hohe Veitsch

1.981m | Mürzsteger Alpen, Steiermark

„Krampus, Teufel, Gipfelglück“ – der Veitscher Klassiker


Im Nordosten der Steiermark erhebt sich ein bis zu 1.981 Meter hoher Wettersteinkalkstock, der dem Wanderer eine Vielzahl an Routen und grandiose Ausblicke bietet. Die Hohe Veitsch ist im Sommer, wie auch im Winter ein beliebtes Ziel – das massive Holzkreuz am höchsten Punkt des Bergmassivs ist definitiv einen Besuch wert. Jacky und ich hatten Glück, wurden wir doch von einer Einheimischen durch die Region oberhalb der Brunnalm geführt – neben einem grandiosen Bergpanorama gab es somit noch viele interessante Geschichten aus der Gegend zu hören.

Ein besonders schöner Aspekt meiner Internet- und Socialmedia-Präsenz ist, dass ich dadurch schon viele Bekanntschaften machen durfte. Mit einer davon wurde bereits 2020 eine Tour auf die Veitsch ausgemacht, aber erst einen Tag vor dem Nationalfeiertag 2021 hat es dann endlich geklappt. Am Parkplatz des Gasthof Scheikl (auf zirka 1.150 Meter Seehöhe), welcher von der Autobahnabfahrt Mitterdorf (S6 Semmeringschnellstraße) durch den Ort St. Barbara im Mürztal recht schnell erreichbar ist, treffen wir um 9 Uhr auf Angelika, unseren persönlichen Veitsch-Guide. Für Angelika ist es heuer die bereits 20. Tour auf einen ihrer Hausberge – für unsere Wanderung entschieden wir uns bereits im Vorhinein für den Klassiker, nämlich den Aufstieg über die Rotsohlalm und den Teufelsteig.

Somit geht es für uns entspannt einer Forststraße entlang, bis wir nach einer guten Dreiviertelstunde bei der Schalleralm ankommen. Eine Abkürzung hätte uns den Weg zur Rotsohlalm zwar etwas verkürzt, wir haben aber Zeit und wandern genüsslich in Richtung der auf etwas mehr als 1.400 Meter hoch gelegenen Rotsohlalm weiter. Spannend auch die Herkunft des Wortes Rotsohl (abgeleitet von „rote Sohle“, aufgrund des erzhaltigen Gesteins auf der Brunnalm): für die Veitscher ist der Rotsohler der Krampus. Passend dazu steht bei der Weggabelung auf der Alm das Nikolo-Kreuz – ein Gedenkstock, in welchem drei Nikolaus-Figuren stehen. Zusätzlich zieren drei Pilgerkreuze diese Almfläche – hier verläuft nämlich auch der Mariazeller-Pilgerweg. Bei besagter Gabelung halten wir uns rechts – links würde es weiter auf den Rauschkogel gehen. Nach ein paar weiteren gewonnen Höhenmetern gibt es für uns den ersten Blick auf den bevorstehenden Teufelsteig – ein teilweise felsiger Pfad, der sich seinen Weg durch die Latschen bahnt und durchwegs mit einem sagenhaften Blick zum Hochschwab aufwarten kann. Zuerst passieren wir aber noch den Rabenstein, wo man an einer ganz bestimmtem Stelle das Gesicht des Rotsohler erkennen kann – ohne Guide wäre uns das natürlich verborgen geblieben. Dann geht es in den steilen Teufelsteig, der uns bis auf eine Höhe von zirka 1.830 Meter bringt. Zwar ist der Weg durch den teils schottrigen Untergrund stellenweise etwas rutschig, wirklich gefährlich ist er allerdings nie – auch ausgesetzte Stellen sucht man vergebens. Bei Schnee oder Nässe ist hier aber definitiv Vorsicht geboten. Nach kurzer Rast biegen wir links ab und nehmen die letzten 150 Höhenmeter in Angriff. Etwas mehr als drei Stunden ist es her, als wir uns auf der Brunnalm auf den Weg gemacht haben, nach einem wirklich angenehmen und nicht allzu schnellen Aufstieg erreichen wir das robuste Holzkreuz auf der Hohen Veitsch.

Es weht ein kühler Wind auf der Veitsch, dennoch bleiben wir für eine halbe Stunde im Gipfelbereich und versuchen so viele Gipfel wie möglich zu benennen. Angefangen vom Ötscher, der mit seinem Rauen Kamm im Norden wie ein letzter Wachturm vor dem Flachland steht, über das Hochschwabgebiet bis hin zu den Seckauer und Seetaler Alpen – sogar die Weinebene samt Goldhaube und die weiter im Süden liegenden Steiner Alpen sind dank prachtvoller Fernsicht zu erkennen. Am Gipfel treffen wir dann auch noch einen Bekannten von Angelika, der sich unserer kleinen Gruppe anschließt. Es ist kurz vor 13 Uhr, als wir uns, nun zu viert, auf den Weg zum Graf-Meran-Haus, einer bereits 1880 erbauten Schutzhütte, machen. Namensgeber für die mehrmals umgebaute und 2013 generalsanierte Hütte ist Franz Graf von Meran, der einzige Sohn Erzherzog Johanns und Anna Plochls. Zwar hat die Hütte schon geschlossen, dennoch ist die Sonnenterasse gut gefüllt – während wir uns stärken gibt es allerhand Smalltalk über bereits gegangene oder bevorstehende Touren – und das bei Windstille und angenehmen Temperaturen. Trotzdem müssen wir auch an den Abstieg denken, der uns nach angenehmer Rast am Wanderweg 465 in Richtung Süden führt. In Serpentinen schlängelt dieser sich nach unten – teilweise etwas rutschig, aber mit ein bisschen Konzentration stellt der Steig keinerlei Probleme dar. Bei einer Weggabelung halten wir uns links und folgen der Forststraße, vorbei an einem Speicherteich für die Beschneiungsanlage, zurück zum Parkplatz, wo wir diese wahrlich geniale Tour nach knappen sechs Stunden beenden.  

Klar, die Hohe Veitsch ist jedem Bergliebhaber ein Begriff, ist sie durch die vielen Aufstiegsmöglichkeiten, das Panorama und die gute Erreichbarkeit ein weithin beliebtes Ausflugsziel und somit an schönen Tagen auch stets gut besucht. Es gibt aber auch Tage, wie wir einen erwischt haben, wo man diesen schönen Aussichtsberg „etwas ruhiger“ erlebt. 

 

Infobox
Start - Ziel:Parkplatz Gasthof Scheikl
Höhenmeter:830
Distanz (km):11,5
Gehzeit (exkl. Pausen):3-4,5h
GPX-File Download:Link

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