Hühnerkogel & Steineck

2.242m, 2.260m | Wölzer Tauern, Steiermark

Zwei Gipfel & drei Kreuze?!


Am letzten Septemberwochenende wollten wir das perfekte Bergwetter nutzen und machten uns wieder Mal auf den Weg in die Wölzer Tauern – heuer definitiv jenes Gebiet, mit den meisten Touren in unserem Tourenbuch. Dort gibt es mit dem Hühnerkogel einen äußerst beliebten Skitouren-Berg, der aber auch ohne die weiße Pracht einiges zu bieten hat – zum Beispiel zwei etwas vorgelagerte Gipfel samt Kreuz. Da wir den Tag ausgiebig nutzen wollten, erweiterten wir unsere Wanderung mit einem Gipfelsieg am Steineck, somit stieg auch die Anzahl meiner bereits erwanderten Murtal-2000er, doch dazu später mehr.

In der an der B114 gelegenen Ortschaft Möderbrugg folgen wir der Straße in Richtung Pustertal und halten uns weiter an die Beschriftung in den Scharnitzgraben. Genau dort, wo wir vor einigen Wochen unsere Hirnkogel-Jauriskampel-Kleinhansl-Runde starteten, geht es für uns auch heute los. Es ist kurz nach 7 Uhr und wir sind das zweite Auto am Sommerparkplatz, somit steht einer recht einsamen Tour zum Hühnerkogel nichts im Weg. Zu Beginn folgen wir der Forststraße, queren den Scharnitzbach und halten uns an die Beschriftung „Hühnerkogel neu“. Weiter geht es unmarkiert durch schönes Waldgelände, über eine massiv anmutende Brücke und einen etwas steilen Stieg durch ein kurzes Waldstück, bis wir kurz vor der Pichlerhütte wieder auf eine Forststraße treffen. Es ist ratsam, hier immer konzentriert unterwegs zu sein – der Weg ist zwar weitestgehend erkennbar (wenn auch ab und an etwas zaghaft), dennoch hat man sich auch recht rasch verlaufen. Nach wenigen Minuten endet die Forststraße, wir halten uns aber weiter an den hier gut zu erkennenden Weg. Schön langsam kommt auch die Sonne heraus und bringt die umliegende Vegetation zum Leuchten. Es folgt ein genussvoller Aufstieg durch unzählige Heidelbeersträucher, begleitet von angenehmen Temperaturen und vollkommener Einsamkeit. Bei einer „Kreuzung“ halten wir uns links und folgen dem Weg in südöstlicher Richtung, bis wir bei einem markanten Holzblock ankommen. Für uns das Zeichen, dass wir den rechterhand liegenden Grasrücken und somit die letzten 300 Höhenmeter bis zu unserem ersten Gipfel in Angriff nehmen. Das erste Kreuz des Tages bereits vor Augen, geht es über die 2.000er Grenze, entlang eines ab und an erkennbaren Weges durch den Plankboden, bis wir um kurz vor 10 Uhr beim „Pichlerkreuz“ ankommen. Den Hühnerkogel selbst ziert kein Gipfelkreuz, sehr wohl aber seine beiden vorgelagerten kleinen Spitzerl, somit unterscheidet man zwischen Pusterwalder Hühnerkogel (Pichlerkreuz, oder auch nördlicher Hühnerkogel, laut Stempel auf 2.217 Metern gelegen) und Oberwölzer Hühnerkogel. 

Am Pichlerkreuz, welches schon von Weitem zu sehen ist, ist ein wunderschön geschmiedeter Herrgott angebracht. Wir entscheiden uns, hier unsere Jausenpause einzulegen, auch weil wir im Aufstieg gesehen haben, dass am Oberwölzer Gipfel gerade ein paar Wanderer waren. Die Aussicht an diesem Tag ist phänomenal: zum Greifen nah wirkt der höchste Berg des Murtals, der 2.448 Meter hohe Große Bösenstein und auch die Haller Mauern, die dahinter in den Himmel ragen, wirken nicht weit entfernt. Gestärkt machen wir uns nach einer knappen Dreiviertelstunde wieder auf den Weg, nun zum eigentlichen Gipfel des 2.242 Meter hohen Hühnerkogels. Von dort geht es einige Höhenmeter bergab zum Oberwölzer Vorgipfel. Kurz davor treffen wir auf eine Gruppe der ÖAV-Sektion Scheifling, die an diesem Tag die Runde über den Hühnerkogel, das Steineck und die Halserhütte auf dem Programm hat. Beim Kreuz waren wir dann wieder alleine und konnten im Süden sogar den 2.864 Meter hohen Triglav und andere markante Erhebungen der Julischen Alpen ausmachen. Ein Eintrag ins Gipfelbuch und schon geht’s für uns weiter in Richtung Kühlnbrein. Wir queren den Hang unter dem Hühnerkogel, entscheiden uns spontan gegen einen Aufstieg zum kreuzlosen Kühlnbrein und marschieren weiter zum höchsten Punkt unserer traumhaften Herbsttour, dem 2.260 Meter hohen Steineck. Der Schlussanstieg zum erst sechs Jahre alten Gipfelkreuz präsentiert sich recht steil und bringt uns in der Mittagssonne gehörig ins Schwitzen – die zirka 100 Höhenmeter schaffen wir dann aber dennoch. Am weitläufigen Gipfelplateau bieten sich uns wunderschöne Blicke in die Triebener und Seckauer Tauern, sowie rüber zum Schießeck und weiter in die Seetaler Alpen. Auch der Dachstein und das Tote Gebirge, inklusive einiger reizvoller Tourenziele wie der Spitzmauer, sind an diesem Septemberwochenende ganz klar zu erkennen. 

Etwas abseits des Gipfelkreuzes legen wir nochmals eine Pause ein, einfach um die sich uns bietenden Eindrücke aufzusaugen. Nach kurzer Rast geht es für uns weiter zur nächsten Erhebung, die aber auch rechterhand umgangen werden kann. Um diesen kleinen namenlosen Gipfel führt ein Weg herum, wir kürzen ab und steigen an seinem Rücken talwärts ab und treffen nach wenigen Minuten wieder auf den eigentlichen Weg. Von nun an sind wir wieder völlig allein – lediglich zwischen Hühnerkogel und Steineck trafen wir auf andere Wanderer, ansonsten war diese Tour der Inbegriff von Einsamkeit. Im Abstieg stets vor Augen sind die höchsten Vertreter aus den Triebener und Seckauer Tauern – einige davon stehen auch noch für heuer auf der Liste, aber mal sehen was der Bergherbst noch hergeben wird – die Berge stehen ja noch länger. Im Abstieg fällt mein Augenmerk auf einen kleinen Vorgipfel, den Stubenberg, den auch ein kleines Kreuz ziert, zumindest kommt es mir aus der Entfernung so vor. Meine Wandergruppe, bestehend aus Jacky und meiner Mum, plädierte aber für einen direkten Abstieg, somit muss der Stubenberg noch ein bisschen warten und wir biegen links ab. In diesem Bereich ist der Weg sogar markiert, aber auch ohne die „rot-weiß-roten“-Farbkleckse würde man sich hier zurecht finden. Zirka 45 Minuten nach unserem Abmarsch am Steineck treffen wir wieder auf unseren Aufstiegsweg – an jenem Punkt, welchen der oben erwähnte markante Holzblock ziert, Von hier wandern wir gemütlich entlang des Aufstiegswegs in einer Stunde zurück zum Parkplatz, der nun brechend voll ist – da wir keine Menschenseele auf der Pusterwalder-Seite des Hühnerkogels gesehen haben, dürfte das Gebiet um die Wildalm, an diesem herrlichen Tag, recht gut gefüllt gewesen sein.

Die Rundwanderung über die Kreuze des Hühnerkogels und das Steineck zählt für mich zu den landschaftlich schönsten Wanderungen in den Wölzer Tauern. Vor allem, wenn man sich durchgehend in einfachen Gehgelände bewegen, aber nicht auf wundervolle Aussichten verzichten möchte. Schön, wenn man solche Momente und Touren im Kreise der Familie verbringen und teilen kann. Das sind Erinnerungen, die für immer bleiben!

… achja: Hühnerkogel und Steineck waren meine Murtal-2.000er #41 und #42 – insgesamt 92 Gipfel ragen im Murtal über die 2.000-Metergrenze – mein Ziel bleibt „geheim“, aber einige werden mit Sicherheit noch folgen 🙂

Infobox
Start - Ziel:Sommerparkplatz im Scharnitzgraben
Höhenmeter:1025
Distanz (km):15
Gehzeit (exkl. Pausen):4,5-6,5h
GPX-File Download:Link

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