Kreuzkogel

2.109m | Wölzer Tauern, Steiermark

„GipfelSTURM“ im Bretsteingraben


Der Bretsteingraben zählt vermutlich zu den abgeschiedensten Orten der gesamten Region Murtal. Aber gerade dort finden sich eine Vielzahl an traumhaften Bergtouren, inmitten der Wölzer Tauern. Eine davon führte Jacky und mich unlängst auf den Kreuzkogel – ein wahrlich stürmisches Unterfangen.

Um die 1.000 Einwohner hat die kleine Ortschaft Möderbrugg, welche über die B114 erreichbar ist. Dort folgen wir der Beschilderung in Richtung Pusterwald und Bretstein, nach wenigen Kilometern geht es für uns gerade aus in den Bretsteingraben. Von der Abzweigung in Möderbrugg, bis zu unserem Parkplatz bei der Gamperhütte, sind es etwas mehr als 19!! Kilometer. Die Straße präsentiert sich in einem sehr guten Zustand, die meisten Kilometer sind asphaltiert, nur am Ende gibt es paar Minuten Schotterpiste. Im Sommer gäbe es auch die Möglichkeit bis zur Schwabergeralm zu fahren und sich somit gute 100 Höhenmeter zu sparen – bei uns war das Tor allerdings noch versperrt.

Auf zirka 1.380 Meter gelegen starten wir bei der Gamperhütte unseren Gipfelsturm auf den Kreuzkogel – und ja, die Wettervorhersagen bestätigen sich – bereits bei Abmarsch geht ein recht starkes Lüfterl. Wir marschieren in 20 Minuten zur Schwabergeralm und folgen wenig später einer Markierung, die uns über einen Wiesenhang nach oben führt. In diesem Bereich gibt es nur wenige Markierungen, man sollte also immer nach dem Weg Ausschau halten. Die Schneeschmelze ist in vollem Gange, somit stapfen wir über den recht nassen Weg in Richtung der Großen Windlucke. Am Weg dorthin nimmt der Wind gefühlt pro Höhenmeter um einen km/h zu. Als wir bei der Windlucke in Richtung Hochrettelstein blicken, pfeifen uns Böen aus nordwestlicher Richtung mit zirka 70 km/h um die Ohren. Jacky und ich suchen uns einen etwas windstilleren Platz und legen nach den ersten knapp  500 Höhenmetern eine kurze Pause ein – vorrangig um einfach etwas aus dem Wind zu kommen. Bereits erkennbar unser Aufstiegsweg in westlicher Richtung, gen Osten wären der Schrattnerkogel und der Seitnerzinken erwanderbar – zwei Gipfel, die vor allem im Winter viele Bergsport-Enthusiasten anziehen. Würde man dem Gipfelkamm auf dem Zentralalpenweg in Richtung Osten folgen, so würde man über Hochschwung und Zinkenkogel, sowie dem Kleinen Bösenstein und dem Großen Hengst in der Gemeinde Hohentauern ankommen.

Wir folgen dem Zentralalpenweg 02 in östlicher Richtung und nehmen die letzten, etwas mehr als 250 Höhenmeter, in Angriff. Begleitet von starken Böen kämpfen wir uns den Kamm entlang und erreichen letztendlich den Schlussanstieg – das Gipfelkreuz haben wir dabei immer fest im Blick. Die letzten Höhenmeter präsentieren sich, wie eigentlich die gesamte Tour, unschwierig. Der über die Felsen peitschende Wind zwang uns aber zu äußerster Konzentration – eine überraschende Böe hätte durchaus schwerwiegende Folgen haben können. Aufgrund des starken und anhaltenden Winds kamen wir um einiges langsamer voran als geplant – immer wieder nutzten wir Felsvorsprünge, um für einen Augenblick aus dem Wind zu kommen. Um halb 11 hatten wir den Aufstieg aber hinter uns gebracht. Das Kreuz auf dem Kreuzkogel wurde am 15.Juli 1973 von der Ortstelle Pöls der Steirischen Bergwacht aufgestellt – somit ziert das Gipfelkreuz schon seit 17.501 Tagen den 2.109 Meter hohen Berg inmitten der traumhaften Bergwelt der Wölzer Tauern. Für alle Stempelsammler: in der Gipfelbuch-Box werdet ihr fündig! Auch bemerkenswert: der erste Eintrag des erst dreiviertel vollen Gipfelbuchs stammt vom 26.Juni 2017. Schon im Aufstieg hat sich die Bewölkung etwas gelichtet und gibt uns bei unserer Gipfelpause viele umliegende Bergspitzen preis. Im Süden warten Hohenwart, Eiskarspitz und die Hans-Runde auf uns, im Osten kann ich die Gamskögerl, Amachkogel und das Kesseleck ausmachen.

Eigentlich wollte ich noch weiter zur Breiteckkoppe, danach runter zum Moarsee und unmarkiert wieder zum Weg in Richtung Schwabergeralm aufsteigen – eine Variante, die auch „Monsieur Peter“ vor Jahren, äußerst lesenswert, wenn auch umgekehrt, dokumentiert hat. Wir beratschlagen uns kurz und entscheiden uns aufgrund des anhaltenden starken Winds dazu, die Breiteckkoppe auszulassen und dem Weg in südöstlicher Richtung zu folgen. Dieser führt uns etwas unterhalb eines Grates zum Abstiegsweg, welcher aber durch jede Menge Schnee für uns unbegehbar ist. Das stellte aber kein wirkliches Hindernis dar, denn bereits am Gipfel haben wir dieses „Problem“ erkannt und uns dazu entschieden, dem Bergrücken noch einige Meter zu folgen und danach unmarkiert abzusteigen. Gesagt, getan – einige Höhenmeter weiter unten treffen wir auch wieder auf den eigentlichen Weg, der sich nun immer in der Nähe des Bretsteinbaches nach unten schlängelt. Die letzten gut zehn Minuten bis zur Schwabergeralm wandern wir auf einem teils von Gras überwachsenen Forstweg. Knappe fünf Stunden sind seit unserem Abmarsch am frühen Morgen vergangen, als wir bei der Gamperhütte auf eine köstliche Jause einkehren und somit unseren GipfelSTURM im Bretsteingraben erfolgreich abschließen.

Infobox
Start - Ziel:Parkplatz Gamperhütte
Höhenmeter:780
Distanz (km):11
Gehzeit (exkl. Pausen):2,5-4h
GPX-File Download:Link

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.