Schartwand

2.339m | Tennengebirge, Salzburg

New faces, new places: zum gläsernen Kreuz im Tennengebirge!

Roh, verkarstet, weitläufig, wunderschön: das Salzburger Tennengebirge. Viel kann man über diese massive Bastion aus Dachsteinkalk sagen, dessen höchste Gipfel sich am südlichen Rand befinden. Dort finden sich jede Menge äußerst lohnenswerte Gipfel aber auch „unterhalb“ gibt es einiges zu sehen, ist das Tennengebirge doch durch die mit 42 Kilometern längste Eishöhle der Welt durchzogen. Wir bleiben aber über Tage, denn dort steht seit vielen Jahren ein ganz besonderes Glaskreuz – seit vielen Jahren wollte ich diesen Platz besuchen.

Für mich haben besondere Gipfelkreuze oder Gipfelsymbole auch irgendwie ihren besonderen Reiz. Ich durfte schon eine Vielzahl wunderschöner Kreuze besuchen, eines fehlt mir aber seit vielen Jahren. Immer wieder kommt es mir: „Auf die Schartwand, irgendwann musst du auch auf die Schartwand“. Und wie das mit manchen Zielen so ist, einige schiebt man viel zu lange vor sich her, ehe man sie dann endlich so richtig in den Fokus nimmt.

Der Fokus wurde in den vergangenen Wochen schärfer und schärfer. Die Schartwand rückte in meiner Planung für den Bergsommer/Bergherbst schon fast in den Mittelpunkt und der Termin für eine mögliche Tour stand schon wochenlang fest. Nun hieß es nur noch hoffen auf passendes Wetter – und dieses sollte einen hervorragenden Bergtag umrahmen.

Dieser Bergtag beginnt aber alles andere als hervorragend, nämlich um 3:45 Uhr. Warum so früh? Von mir bis zum Parkplatz in der Wengerau sind es knapp 2,5 Stunden Fahrtzeit und wir wollten nicht am Tag davor bis zur Söldenhütte aufsteigen. Somit: sehr frühe Tagwache, 4:30 Abfahrt, denn um sieben Uhr wollen wir aufbrechen. Aber wer ist eigentlich „wir? Jacky passt heute: sie genießt noch einige Stunden Schlaf. Xenia ist, wie eigentlich immer, mit dabei. Egal was ich vorschlage, es gibt keine Einwände, immer nur: „Ok passt, mach ma“. Für Michi ist es aus dem Berchtesgadener Land nicht sooo weit und ich habe heute auch Anna mit, die schon die eine oder andere Tour mit mir erlebt hat. Das spannende: die drei Damen kennen sich untereinander nicht. Man weiß ja nie, ob es untereinander dann gleich klappt, somit war ich diesbezüglich durchaus neugierig, vor allem weil alle drei ganz unterschiedliche Typen sind. Xenia war heuer schon mal im Tennengebirge: mit Martin kletterte sie auf das nahe dem Raucheck gelegene Große Fieberhorn. Michi, Anna und ich betreten hingegen Neuland.

Mein Zeitplan hält, kurz vor 7 Uhr treffen wir am kostenpflichtigen Wanderparkplatz in der Wengerau ein. 7€ sind für den gesamten Tag zu entrichten. Bezahlt kann bar oder mit Karte (auch mit dem Smartphone) werden. Empfangen werden wir von einer neugierigen Katze, die nach einer kurzen Streicheleinheit auch gleich in mein Auto springt und dieses auch nicht mehr verlassen will. Den Besucher quasi wieder vor die Tür gesetzt, starten wir um kurz nach 7 zu unserem ersten Etappenziel – zur Söldenhütte, die auf 1.525 Metern liegt. Bis dahin sind es also zirka 550 Höhenmeter. 

Die ersten knapp 200 Höhenmeter geht es über einen Güterweg, der dann in einen phasenweise durchaus steilen Pfad mündet. Einige Kurven und Höhenmeter später passieren wir einen Gedenkstein an Johann Stüdl, wenig später geht es über Holztreppen und einen schönen Steig weiter bergwärts. Die Söldenhütte erreichen wird nach in etwa 1h 15Minuten Gehzeit. Nach einer kurzen Trinkpause folgen wir der Beschilderung direkt bei der Hütte in Richtung Tauernscharte / Tauernkogel / Eiskogel. Das Gelände wird nun offener, Bäume weichen einer üppigen Latschenvegetation. Immerhin müssen wir uns heute nicht direkt durch diese kämpfen, wie Xenia und ich vor einigen Wochen am Zinkenkogel. Vielmehr schlängelt sich der Steig angenehm steigend in die Höhe. Begleitet werden wir von traumhaften Ausblicken in die umliegende Bergwelt. Die Bischlingshöhe liegt fast greifbar nah im Süden und der Hochkönigstock grüßt aus dem Westen herüber. Mit der Zeit wird unser Weg etwas schottriger und steilt auch spürbar an. Bis in die Tauernscharte, eine Einsattelung nordwestlich des Tauernkogels, sind es von der Hütte knapp 600 Höhenmeter und mehr als die Hälfte haben wir bereits hinter uns. Vorbei an einem riesigen Höhleneingang passieren wir wenig später eine bizarre Felsformation. In diesem Bereich hilft an manch felsigen Stellen auch eine Seilversicherung, sowie zwei Trittbretter. Ausgesetzt ist es hier allerdings nicht. Nun ist es nicht mehr weit bis zur Scharte und nach einer weiteren Holztreppe und schottrig/kieseligem Terrain kommen wir um zirka 10 Uhr auf der auf 2.114 Meter gelegenen Tauernscharte an.

Wir werden von einem schönen Blick ins Tennengebirge begrüßt. Rechts geht’s knackig steil auf den Tauernkogel – um die 150 Höhenmeter sind es. Aber unser Ziel ist vorerst ein anderes, nämlich die Schartwand, welche wir von hier bereits sehen können. Es ist aber noch ein gutes Stück zu gehen, deswegen halten wir nur kurz an. Vorbei an einer großen Schafsherde marschieren wir in nordwestlicher Richtung weiter und steigen auch einige Höhenmeter ab. In der Eiskogelgrube trennen sich nun die Wege: Links auf den Eiskogel und rechts weiter in Richtung Schartwand und weiter zu anderen Vertretern des Tennengebirges – zum Beispiel zum Schubbühel oder zum Bleikogel. Wir wandern durch ein unberührt anmutendes Steinlabyrinth stetig nach oben. Nach einer Geländekante geht es etwas flacher weiter, ehe wir die Schwartwand an ihrer Nordwestflanke queren. Auch hier ist es nicht gefährlich, dennoch sollte man im steinigen Gelände etwas Vorsicht walten lassen. Wir haben die Schartwand nun quasi halb umrundet und steigen unmarkiert zum Gipfel auf. Der Weg ist aber zu Beginn erkennbar, auch Steinmänner helfen bei der Orientierung. Um die 80 Höhenmeter sind es noch zum Gipfel – die schaffen wir nun auch noch.

Und dann ist es geschafft: um kurz nach elf Uhr erreicht unser entzückendes Wanderquartett einen Platz, den ein ganz besonderes Gipfelsymbol ziert. Ein Glaskreuz, verziert mit einer grünen Einlage. Ein schöner Moment, welchen ich mit drei sehr engen Freunden teilen darf. Das berührt mich – auch freut es mich, dass alle drei super miteinander auskommen. Es ist nicht fetzblau, immer wieder schieben sich Wolkenfetzen durch das Tennengebirge. Das macht aber nichts, denn für unsere ausgedehnte Pause ist es durchaus angenehm, wenn man nicht immer die volle Breitseite der Sonne abbekommt. Noch dazu bieten Wolken eine ganz besondere Stimmung für das ein oder andere Foto. In etwa eine Stunde verbringen wir am weitläufigen Gipfelplateau des 2.339 Meter hohen Berges. Immer wieder erreichen andere Wanderer den Gipfel, die meisten eilen aber gleich weiter. Wir genießen, liegen in der Wiese rum, schalten ab und laden unsere Batterien wieder etwas auf. Im Norden fällt das Gebirge etwas ab, somit gibt es auch einige Gipfel aus dem benachbarten Gruppen zu sehen. Zum Beispiel aus der Osterhorngruppe, wo ich mit Michi vor einigen Wochen auf Gipfeljagd über Schlenken und Schmittenstein war.

Für den Abstieg wählen wir eine andere Variante, nach wenigen Metern südwestlich biegen wir über eine Rinne nach unten ab. Vorbei an einer Felsmauer und einigen Schafen treffen wir wenig später wieder auf den Wanderweg, welchen wir zurück bis zur Tauernscharte folgen. Aber was nun? Tauernkogel, oder schnell auf den Napf? Wir entscheiden uns für zweiteres und suchen uns einen Weg auf den 2.167 Meter hohen Gipfel, den ein recht neues Gipfelkreuz ziert. Auch hier legen wir wieder eine Pause ein. Zu schön ist die Aussicht, zu angenehm die Temperaturen – man will hier einfach jeden Moment aufsaugen. Links sehen wir auch einige Kletterer, die auf dem Weg zum Tauernkogel sind und kurz überlegen auch wir, ob wir den 2.247 Meter hohen Gipfel noch mitnehmen. Doch schlussendlich entscheiden wir uns für einen Abstieg zur Söldenhütte – somit bleiben Eis- und auch Tauernkogel noch übrig. Das bietet sich ja durchaus für eine weitere „Exkursion“ durchs Tennengebirge, welches übrigens seit 1985 unter Naturschutz steht, an.

Somit geht’s wieder 600 Höhenmeter nach unten. Im Abstieg bietet sich uns auch noch ein schöner Blick gen Osten, wo der Gosaukamm und der Dachsteinstock herüberblinzeln. Bei der Söldenhütte genehmigen wir uns in traumhafter Lage gebackene Apfelradl, Suppe, Weizenbier und Radler. Hier könnte man stundenlang sitzen und einfach die Seele baumeln lassen. Doch wir müssen noch nach unten und dann die lange Fahrt nach Hause antreten. Um kurz vor halb fünf Uhr nachmittags erreichen wir den Parkplatz und beenden eine wirklich traumhafte Tour in einer phasenweise fast unwirklichen Gegend. Konditionsstarken Wanderern kann die etwas mehr als 13 Kilometer lange Wanderung wärmstens empfohlen werden. Gefährliche Stellen sucht man vergeblich, dafür bekommt man es mit einer eindrucksvollen Gegend zu tun.

Für uns vier steht fest, wir werden dem Tennengebirge sicher wieder einmal einen Besuch abstatten. Dann vielleicht auf das 2.430 Meter hohe Raucheck? Oder doch auf einen anderen Gipfel? Man wird sehen – Optionen gibt es allerdings genügend. Wir alle nehmen aber schöne Erinnerungen an eine eindrucksvolle Wanderung im Salzburger Land mit nach Hause. Neues entdecken, neue Menschen kennenlernen – Dinge die einem im Leben durchaus weiterbringen können. Ein perfekter Start in einen hoffentlich wunderschönen Wanderherbst – schon in den kommenden Tagen und Wochen stehen einige tolle Touren auf unseren Wunschzetteln. Darunter eine echte Traumtour in den Schladminger Tauern – man darf gespannt sein.

Infobox
Start - Ziel:Wanderparkplatz Wengerau
Höhenmeter:1450
Distanz (km):13,5
Gehzeit (exkl. Pausen):5-7h
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2 Kommentare

  1. September 11, 2026
    Antworten

    Hallo Martin !
    Großartige Tour mit tollen Aufnahmen (wie immer).
    Ich verfolge deinen Blog schon seit einiger Zeit und schätze deine fachkundigen Kommentare und die wunderbaren Aufnahmen !!
    Liebe Grüße
    Josef

    • martin
      September 11, 2026
      Antworten

      Servus Josef!
      vielen lieben Dank für die netten Worte. Das freut mich immer sehr.
      Werde mich bemühen weiterhin schöne Touren zu „liefern“ 🙂

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