2.471m, 2.459m | Schladminger Tauern, Steiermark
Grenzüberschreitend schön: die Kalkspitzen zwischen dem Lungau und dem Ennstal
Landschaftlich wunderschön, aber kein Geheimtipp: die Landschaft rund um die Giglachseen in den Schladminger Tauern. Diese traumhafte Gegend will erwandert werden, Sommer wie Winter. Und das wissen die Menschen. Dennoch zahlt sich eine Wanderung durch diese Ecke der Schladminger Tauern zu 100% aus.
Schon sehr lange steht diese Wanderung auf meiner Wunschliste, doch immer kam etwas dazwischen. Ich muss zugeben, vielleicht spielte auch die weite Anreise eine Rolle, denn nicht immer bin ich für zwei Stunden Anfahrtszeit aufgelegt – aber heuer scheint das anders zu sein. Und auch der Fakt, dass wir wieder eine gemeinsame Tour mit Michi genießen können, drängt die Auto-Zeit in den Hintergrund. Ein kleiner Preis, den ich immer gerne bereit bin, zu zahlen. Leider fehlt ein Teil meiner Bergbuddies, Xenia muss verletzungsbedingt einige Monate aussetzen. Unsere kleine Wandergruppe wird heute aus vier Menschen und einem Hund bestehen.
Wir haben Ende September, auf den Bergen hat es sogar schon das erste Mal leicht heruntergeschneit, die Temperaturen sind dementsprechend niedrig. Das Positive daran: wir müssen nicht so früh los. Ausgemacht ist mit Michi, dass wir uns gegen 8 Uhr am Parkplatz vor Beginn der Mautstraße treffen. Gut, wir machen uns auf den Weg, in Kammern kommt Anna drauf, dass sie ihre Schuhe vergessen hat. Wir drehen also um, holen das passende Schuhwerk und kommen mit in etwa einer Stunde Verspätung bei besagtem Treffpunkt an. Das kann schon Mal passieren – es gibt keine Vorwürfe, warum denn auch. Als wir Michi begrüßen, werden die Rotorgeräusche eines sich nähernden Hubschraubers immer lauter. Wir staunen nicht schlecht, als wir am Ende eines Seils einen toten Hirsch baumeln sehen. Dieser wurde vermutlich in unwegsamen Gelände geschossen und musste ausgeflogen werden. Einige Schaulustige mussten natürlich gleich hinlaufen und Fotos machen – irgendwie befremdlich, aber nun gut, jeder wie er will.
Zusammen fahren wir die Mautstraße hinauf bis zum Parkplatz kurz vor der Ursprungalm. 22€ sind pro PKW zu entrichten. Bezahlt kann direkt am Schranken mittels Karte werden. Es bietet sich aber auch die Option, mittels QR-Code schon vor der Abfahrt am Parkplatz zu bezahlen. Wir haben mittlerweile kurz vor 10 Uhr, als wir unsere Rucksäcke schultern, Donna die Leine umbinden und uns auf den Weg in Richtung unseres ersten Etappenziels machen – der Giglachsee Hütte.
Gleich nach Abmarsch spazieren wir bei der idyllisch gelegenen Ursprungalm vorbei. Sie wirkt noch recht ruhig und verlassen (Spoiler: das sollte sich am Rückweg dann ändern). Der Wanderweg 771 folgt dem Güterweg in südlicher Richtung bis zur Giglachsee Hütte. Somit können sowohl diese, als auch die nur wenige Gehminuten entfernte Ignaz-Mattis-Hütte gut versorgt werden. Bei der Giglachsee Hütte angekommen, bietet sich uns erstmals ein traumhafter Blick auf den Oberen und den Unteren Giglachsee, eingebettet zwischen dem Kammspitz-Stock und dem Freying. Bis hierher sind es keine 400 Höhenmeter – eine Wanderung bis und rund um die Giglachseen lohnt sich definitiv. Ein paar Aufnahmen mit der Kamera müssen hier schon drin sein. Von der Hütte sind es nur wenige Gehminuten zum Znachsattel wo der Weg 771 weiter in Richtung Süden führen würde.
Für uns heißt es jetzt rechts abbiegen und dem Arnoweg in westlicher Richtung folgen. Durch wirklich einfach wanderbares Gelände steigen wir einige Höhenmeter bergwärts, ehe der Weg auf Nordosten dreht und unter dem Gipfelaufbau der Lungauer Kalkspitze vorbeizieht. Teilweise etwas abschüssig und schmal, hier sollte man schon schauen, wo man hintritt. Der vorgestern gefallene Schnee trägt seinen Teil dazu bei, dass wir an der einen oder anderen Stelle durchaus konzentriert bei der Sache sind. Unser nächstes Etappenziel, die auf 2.315 Metern gelegene Akarscharte, können wir bereits erahnen, es ist bereits nach 12 Uhr mittags, als wir diesen Übergang, eingebettet zwischen den beiden Kalkspitzen erreichen. Von dort würde der Weg in westlicher Richtung hinunter zum Oberhüttensee führen. Diesen haben Jacky und ich 2025 besucht. Für uns ist das heute aber keine Option.
Die Kalkspitzen rufen, zumindest einen Teil von uns. Für Jacky war bereits vor der Tour klar, dass die die Steirische Kalkspitze auslassen wird – sie bleibt auf der Akarscharte. Und ja, das war mit Sicherheit die richtige Entscheidung, denn der Aufstieg auf den 2.459 Meter hohen Gipfel ist teils etwas luftig, stellenweise abgespeckt und im Gipfelbereich, ob des gefallenen Schnees, durchaus rutschig. Hier verzeiht der Berg aber keine Fehler, ein Stürzen oder Abrutschen hätte womöglich fatale Folgen. Wir wechseln uns am Gipfelkreuz ab, weil Anna mit Donna nicht bis zum Kreuz will. Dort ist zu wenig Platz und es sind auch noch andere Wanderer unterwegs. Schlussendlich will man kein unnötiges Risiko eingehen. Nach dem Gipfelfoto steige ich wieder ab, Anna, Michi und Donna bleiben noch ein paar Minuten, kommen dann aber gleich nach. Auch im Abstieg ist hier wirklich Vorsicht geboten. Die Schwierigkeiten hinter uns gebracht, legen wir dann alle gemeinsam eine verdiente Pause ein – Jacky hat uns ein windgeschütztes Plätzchen gesucht und hat bei den Vorbeiwandernden, mit denen sie ins Gespräch gekommen ist, gleich wieder Werbung für meine Seite gemacht.
Nun gibt’s aber eine verdiente Pause, in welcher wir uns unsere Jause schmecken lassen. Ich kann aber nicht lange sitzenbleiben, zu schön präsentiert sich die Bergwelt an diesem Tag. Ob Mosermandl, Faulkogel, oder unzählige Gipfel, die sich im Osten präsentieren – die Berge wirken ob des Neuschnees wie glaciert – wirklich einmalig schön. Während der Pause beratschlagen wir auch, ob wir noch auf die Lungauer Kalkspitze wollen. Der einsehbare Weg war teilweise eingeschneit, die Erfahrungsberichte der Wanderer gingen von „nein, ich hab umgedreht“ bis zu „kein Problem“. Schlussendlich fällt der Entschluss, dass Jacky, Donna und Anna zur Giglachsee Hütte absteigen, Michi und ich noch auf den 2.471 Meter hohen Gipfel wandern – damit ist er um zwölf Meter höher, als sein nördlich gelegener „Partner“. Also nochmal rauf, etwas mehr als 150 Höhenmeter. An manchen stellen ist der Weg etwas schmal, der eingewehte Schnee macht es im stellenweise recht abschüssigen Gelände nicht ungefährlich. Mit Vorsicht erreichen wir den breiten Rücken, der die letzten Meter zum recht neuen Gipfelkreuz führt. Für mich ist das Panorama hier noch besser, denn nun ist auch einer meiner Herzensberge, der Hochgolling, deutlich und klar zu erkennen. Auch das markante Kasereck präsentiert sich in seiner Pracht. Und wer blinzelt da aus dem Süden noch herüber? Genau: der Zechnerkarspitz, welchen Jacky und ich vor elf Tagen einen Besuch abstatten durften. Auch das ist ein Aspekt, welchen ich am Wandern so gern habe: wenn ich auf einem Gipfel stehen darf und andere erkenne, die ich auch schon besuchen konnte. Das weckt immer wieder so viele schöne Erinnerungen und lässt einen dankbar sein, für die Zeit, die man hier, mit besonderen Menschen, verbringen darf.
Wir halten uns aber nicht allzu lange am Gipfel auf, denn schließlich wollen wir aus dem Wanderduo wieder ein Quartett machen. Also geht’s für Michi und mich zurück zur Akarscharte und dann den Weg zurück bis zur Giglachsee Hütte. Dort sitzen Jacky, Anna und Donna bereits in der Sonne und stärken sich mit Käsbrot und Fritattenuppe. Was aber natürlich zwingend notwendig ist: Kaiserschmarrn. Diesen und noch einen Topfenstrudel genehmigen wir uns – um diese wirklich schöne Wanderung auch kulinarisch abzurunden. Es ist der letzte Tag, an dem die Giglachsee Hütte offen hat, es herrscht also nochmals reger Betrieb. Aber irgendwann müssen auch wir an den Abstieg denken, um kurz nach 16 Uhr verlassen wir die Hütte und spazieren den Güterweg zurück zur Ursprungalm, wo nun einiges los ist. Hier sammeln Busse die Wanderer ein und bringen diese talwärts – man könnte sich also die Auffahrt mit dem eigenen PKW sparen. Für uns war das aber keine Option. Bei der Ursprungalm steht auch ein nettes Gedenkkreuz und da wir heute leider keinen gemeinsamen Gipfel hatten, wird hier ein entzückendes Gruppenfoto gemacht – mit einem hervorragenden Hintergrund, denn im Norden glänzen Dachstein, Mitterspitz und Torstein in der Abendsonne. Ein würdiger Abschluss für eine landschaftlich äußerst reizvolle Tour. Die weite An- und Rückreise hat sich wieder einmal bezahlt gemacht. Ein herrlicher Tag inklusive zweier Gipfelbesteigungen, wertvolle Zeit mit Herzensmenschen verbracht – genau um das geht’s.
Die Tour auf die beiden Kalkspitzen bietet vor allem eins – eine wirklich außergewöhnlich schöne Landschaft. Für die Besteigung der Steirischen Kalkspitze sollte man aber in jedem Fall trittsicher und im Gipfelbereich schwindelfrei sein. Bei optimalen Wanderbedingungen ist die Besteigung der Lungauer Kalkspitze unschwierig – mit Sicherheit der „leichtere“ der beiden Gipfel. Ich nehme für die heurige Bergsaison Abschied von den Schladminger Tauern, aber noch gibt es einige Ziele, die ich im Jahr 2026 noch erreichen will – sofern das Wetter mitspielt.
| Infobox | |
|---|---|
| Start - Ziel: | Parkplatz Ursprungalm |
| Höhenmeter: | 1025 |
| Distanz (km): | 13,5 |
| Gehzeit (exkl. Pausen): | 4-5,5h |
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