2.452m | Schladminger Tauern, Salzburg
Unverhofft kommt oft: Lungau, di mog i!
Der Salzburger Lungau zieht mich immer wieder an. Hier gibt es noch jede Menge Touren, die ich gerne besuchen würde, einige davon stehen schon lange auf meiner Wunschliste. Nicht so die Wanderung auf die Zechnerkarspitze, die mir bislang völlig unbekannt war. Aber im Lungau kann man eigentlich nie falsch liegen. Und so wurden wir auch dieses Mal nicht enttäuscht – ganz im Gegenteil.
Wir haben September und schon traditionell haben Jacky und ich die Woche, wo auch die Steiermark wieder in die Schule startet, frei. Leider machte uns in den letzten Jahren immer mal wieder das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Auch heuer, zumindest teilweise, denn eigentlich wollten wir ein paar Tage auf den Obertauern fahren und dort einige Gipfel besuchen. Aber die Wettervorhersage ist nicht allzu fein, lediglich zwei Tage soll es sonnig sein. Somit entscheiden wir uns für Tagesausflüge. Aber wohin? Ich studiere meine Listen, aber nicht schreit mich so richtig an. Danach folgt Kartenstudium und dann sehe ich sie, die Zechnerkarspitze. Links davon zieht der Kamm mit den beiden „Gurpitschecken“ zum Obertauern, rechts geht’s beginnend mit einem der Tamsweger Hausberge, dem Gensgitsch, weiter bis zur steirischen Grenze. Das klingt gut, auch habe ich bei Paulis Tourenbuch einige Fotos gefunden – gut, dann wird’s also doch der Lungau.
Das bedeutet aber auch, dass der Wecker wieder recht früh läutet, denn knappe 1,5 Stunden sind es dann doch bis zum Parkplatz am Kraischaberg, oberhalb von Tamsweg. Es ist kurz nach acht Uhr, als wir uns auf den Weg machen und die ersten zwei Kilometer auf der Forststraße zurücklegen. Auf zirka 1550 Metern Seehöhe geht es für uns dann links weiter, der Weg steilt dann gehörig an und verändert sich wenig später in echte Rampen. Die erste führt über abgeholztes Gelände, dann geht es richtig steil im Waldgelände weiter. Mit erhöhtem Puls und gehörig Schweiß auf der Stirn bringen wir Höhenmeter für Höhenmeter hinter uns und queren in weiterer Folge zwei Mal die Forststraße, die zur Granitzlhütte führt. Die letzten Meter zu dieser wirklich malerisch gelegenen Alm bringen wir dann auf besagter Straße hinter uns. Bei der Hütte auf zirka 1.840 Metern angekommen legen wir eine erste Rast ein. Ein schattiger Platz samt Bankerl zwingt uns förmlich dazu.
Nun geht’s, dem Wanderweg 763 folgend, in nördlicher Richtung weiter. Nach einem kurzen Wiesenhang wandern wir durch wunderschönes Waldgelände, in welchem wir auch auf eine Schafherde treffen. Natürlich muss Jacky die wirklich niedlichen Tierchen zig-Mal fotografieren – dafür muss immer Zeit sein. Schlussendlich haben wir auch keine Eile. Auf etwas über 1.900 Metern Seehöhe ziehen sich die Bäume größtenteils zurück und wir erreichen das absolut traumhafte Hochtal, welches Geländekante für Geländekante in Richtung Gipfel des Zechnerkarspitz führt. Wir sind wirklich überwältigt für dieser unberührten Schönheit dieser Gegend. Fast im Minutentakt bleiben wir kurz stehen und versuchen diese Landschaft auf Foto festzuhalten. Das ist aber eigentlich unmöglich. Vorbei an kleinen Tümpel wandern wir immer weiter in das Granitzl hinein. Wie ein Spalier stehen Kastlhöhe und Raudinghöhe und begleiten uns weiter taleinwärts. Wir sind nun zirka auf 2.130 Metern Seehöhe und der Weg wird nun steiniger und etwas steiler, bis zum Gipfel wollen dann schlussendlich doch noch gut 300 Höhenmeter eingesammelt werden. Das Terrain ist unschwierig, ab und an etwas schottrig und kieselig, aber das stellt keinerlei Problem dar. Unterhalb der Südflanke unseres Tagesziels dreht der Weg dann nach links, wenig später erreichen wir den Rücken, der in einem Bogen zum Gipfel führt. Empfangen werden wir hier von einem unglaublichen Blick in den Westen, wo sich heute unzählige Bergspitzen glasklar präsentieren. Nach einem Schluck aus der Trinkflasche geht es dann an den finalen Gipfelsturm. Jacky: „Das schaut aber schon noch weit aus.“ – aber wie so oft täuscht der Blick, denn von hier sind wir in 20 Minuten am Gipfel. Das Gelände ist nicht mehr so steil und man macht wieder „Meter“. Wenige Meter vor dem Kreuz gelangen wir dann auf den abschüssigen Westabfall des Zechnerkarspitz und dann ist es geschafft. Am Parkplatz sind 3,5 Stunden angeschrieben und die haben wir heute auch fast gebraucht. Wir wollten einfach nicht „schnell schnell“ zum Gipfel und wieder runter, vielmehr unsere Zweisamkeit in dieser Traumkulisse in vollen Zügen genießen. Wie oft hat man denn die Gelegenheit dafür – da zählt am Ende auch keine Zeit.
Um halb zwölf Uhr machen wir es uns am Gipfel gemütlich und lassen uns unsere Jause schmecken. So gar nicht satt sehen kann ich mich an der Aussicht. Jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr ich es hasse, wenn ich einen Gipfel nicht zuordnen kann. Nun ja, heute tue ich mir wirklich schwer, aber damit kann ich leben. Ganz genau zuordnen und erkennen kann ich den Hochgolling, der über Kreuzhöhe und Hocheck klar zu erkennen ist. Oft denke ich an die Tour im Jahr 2023 – bis heute einer meiner Top 3 Touren, die ich erleben durfte. Was mir auch ins Auge sticht sind die beiden Kalkspitzen – und das nicht ohne Grund. In knapp zwei Wochen wollen wir diesen beiden Aussichtspunkten ober der Ursprungalm einen Besuch abstattet. Ebenfalls zu sehen sind Ankogel, Mosermandl und der mächtige Faulkogel. Im Süden die Nockberge mit Königsstuhl, bisschen weiter links dann die Turrach – einfach schön. Natürlich winkt auch der Preber herüber – den wollen wir heuer auch endlich besuchen. Mal sehen, ob es dann auch wirklich klappt. Quasi direkt vor der Nase: der 2.614 Meter hohe Hundstein, auf den zwar kein ausgewiesener Weg führt, der Kamm/Grat sieht aber durchaus begehbar aus. Eine knappe Stunde verbringen wir in vollkommener Einsamkeit am Gipfel, erst als wir uns wieder auf den Weg nach unten machen, erreicht jemand den 2.452 Meter hohen Zechnerkarspitz.
Im Abstieg folgen wir unserer Aufstiegsroute, die im übrigen perfekt markiert ist. Weitestgehend über T1-Gelände (nur stellenweise ist es in Karten mit T2 ausgewiesen) marschieren wir durch diese Traumkulisse nach unten und gönnen uns im Hochtal angekommen noch eine kurze Pause. Schnellen Schrittes geht es dann von der Granitzlhütte zurück zum Parkplatz, welchen wir um zirka 14:30 Uhr erreichen. Eine wunderschöne Tour in einer beeindruckenden Landschaft im Gepäck, statten wir dann noch „Backen mit Christina“ einen Besuch ab – wie eigentlich immer, wenn wir in der Gegend sind. Danach geht’s mit jeder Menge schöner Eindrücke und der einen oder anderen Tour mehr auf meiner Wunschliste zurück ins Aichfeld.
| Infobox | |
|---|---|
| Start - Ziel: | Parkplatz Kraischaberg |
| Höhenmeter: | 1070 |
| Distanz (km): | 13,3 |
| Gehzeit (exkl. Pausen): | 4-6h |
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