Westlicher Gamskogel

2.386m | Triebener Tauern, Steiermark

Sonnenaufgangstour zu den Gamskögeln


Im gesamten Bezirk Murtal gibt es nur sechs Berge, die den Westlichen Gamskogel überragen. Eigentlich hatte ich den Aufstieg dorthin schon 2019 im Blick, irgendwie drängte sich dann aber immer eine andere Tour in den Vordergrund. Vor einer Woche kam mir der Gamskogel beim Karten- und Tourenstudium wieder in den Sinn.

Ich weiß nicht wirklich, warum ich ausgerechnet den Gamskogel ausgewählt habe, um mir dort einen Sonnenaufgang anzusehen, denn der Aufstieg dorthin ist nicht gerade kurz, aber alles der Reihe nach. Um kurz vor 2 Uhr morgens heißt es Tagwache und ich mache mich alleine auf den Weg ins 45 Minuten entfernte Bärntal, welches über die B114 erreicht werden kann. Von der Abzweigung beim Gasthaus Bruckenhauser sind es vier Kilometer Schotterstraße bis zum Parkplatz kurz nach der Franzlbauerhütte. Verfolgt von kleinen leuchteten Augen, starte ich um 3:12 in die Finsternis und folge zu Beginn einer Markierung Richtung Gamskogel und weiter einem Forstweg. Ich kenne den Weg, diesen sind wir 2020 bei unserer Wanderung vom Sommertörl ins Bärntal im Abstieg gegangen, somit weiß ich auch, dass dieser gut markiert ist – auch in der Dunkelheit sind die Markierungen gut zu erkennen. Nach 30 Minuten und 200 Höhenmetern geht es dann über einen Waldpfad weiter nach oben, etwas später komme ich aber wieder auf den Forstweg, der auf einer Höhe von zirka 1.750 Metern Seehöhe endet. Von hier an folge ich klaren Steigspuren und rot-weißen Markierungen bis zum auf 2.081 Meter hoch gelegenen Gaaler Törl. Dort angekommen präsentiert sich die umliegende Bergwelt schon recht klar und ein eisiger Wind peitscht mir ins Gesicht.

Schnell einige Fotos mit der Spiegelreflexkamera aufgenommen, dann geht es links weiter in Richtung Hochleitenspitze, die laut Wegweiser in 45 Minuten erreicht werden kann. Der Weg wird immer steiler und somit klettert auch die Höhenmeter-Anzeige auf meiner Uhr rasch nach oben. Nach einer halben Stunde habe ich den 2.329 Meter hohen Nachbargipfel des Gamskogel erreicht. Ohne Pause geht es aber direkt weiter zum Ziel meiner Tour, welches ich nach einer guten Viertelstunde erreichen sollte. Nach 2 1/2 Stunden Gehzeit stehe ich auf dem Gamskogel und genieße die ersten Sonnenstrahlen des Tages, auch wenn ich den Sonnenaufgang selbst dann doch um einige Minuten verpasst habe – aber was solls. Ich habe den Gipfel, der nordseitig fast senkrecht abfällt, für mich alleine und genieße die Ruhe und Einsamkeit an diesem Morgen. Der Wind schiebt die Wolkenfetzen über den Gamskögelgrat, auch über dem Gipfel des Großen Grießstein wechseln sich Morgensonne und Wolkenmantel ab – einfach traumhaft. Im Süden ist in der Ferne auch schon der Zirbitzkogel zu erkennen, weitaus präsenter sind Lahneck, Glaneck, Kesseleck und der Amachkogel, sowie sein westlicher Nachbar, der Lärchkogel. Über eine Stunde verbringe ich auf dem Gipfel, ehe ich mich auf den Weiterweg mache.

Bereits vor Abmarsch stand fest, dass ich für den Abstieg eine andere Route wählen werde und so steige ich wenige Meter unterhalb des Gipfels rechterhand ab. Der sehr steile und geröllige Weg, der gute Trittsicherheit voraussetzt, führt mit am Weg R11 hinunter Richtung Hirschensee. Nach einem konzentrierten Abstieg komme ich beim in der Sonne liegenden See an und lege dort meine wohlverdiente Jausenpause, inklusive Blick auf eine riesige Herde Gämsen, ein. Gestärkt geht es für mich weiter zum Knaudachtörl, die Wegfindung ist aber nicht ganz so einfach. Zwar ist dieser in diversen Karten eingezeichnet, dort, wo er laut Karte aber sein soll, finde ich ihn nicht. Somit folge ich einem teilweise sichtbaren Steig, der mich unterhalb des Knaudachkogels vorbeiführt. Es geht größtenteils über schräges, teilweise von Gras bewachsenes Hanggelände – bei Nässe ist hier höchste Vorsicht geboten, aber auch bei trockenen Verhältnissen ist Konzentration Pflicht. Nach einer guten Dreiviertelstunde erreiche ich das Knaudachtörl auf 2.009 Meter Höhe und kann auch schon einen Blick zum nächsten Wegpunkt, dem Triebener Törl werfen. Kurz vor dem Knaudachtörl fließt der Steig in den Zentralalpenweg 02 ein, somit ist ab hier wieder perfekt markiert.

Kurz in das Wegbuch am Törl eingetragen mache ich mich wieder auf den Weg, laut Wegweiser sind es 60 Minuten, bis zur Einsattelung zwischen Großen Grießstein und Sonntagskogel. Anfänglich geht es bergab, danach aber wieder bergauf, somit sammelt man auch weiterhin brav seine Höhenmeter. Oftmals führt der Weg über großes Blockwerk, welches ich mit Trittsicherheit und Konzentration aber recht einfach überwinden kann. Am Triebentörl angekommen begrüßen mich Admonter Kalbling, Sparafeld und der Admonter Reichenstein – kurz verweile ich und unterhalte mich mit den ersten Wanderern, die ich an diesem Tag zu Gesicht bekomme (und das nach über sechs Stunden). Nur ganz kurz liebäugle ich mit dem Aufstieg zum Grießstein, aber ich verzichte dann doch auf die gut 400 Höhenmeter und folge dem Weg 949 hinunter ins Bärntal. Nicht ganz 400 Höhenmeter sind es im Abstieg, bis ich nach insgesamt knapp 8,5 Stunden wieder am Parkplatz eintreffe und diese eindrucksvolle und sehr einsame Rundtour beende. 

Infobox
Start - Ziel:Parkplatz Franzlbauerhütte
Höhenmeter:1150
Distanz (km):14
Gehzeit (exkl. Pausen):5-7h
GPX-File Download:Link

4 Kommentare

  1. Jutta Lassnig
    Juli 26, 2021
    Antworten

    Wow tolle Tour…schöne Fotos.. da muss ich auch mal hin ..lg

    • martin
      Juli 27, 2021
      Antworten

      danke 🙂 ja, unbedingt – es ist soooo schön dort! 🙂

  2. Sandro
    August 3, 2021
    Antworten

    Danke für die schöne Tour und den Download

    • martin
      August 3, 2021
      Antworten

      bitte gern 🙂

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