2.124m, 2.074m | Triebener Tauern, Steiermark
Traumtour auf zwei „kreuzlose“ Gipfel
Wieder einmal tauche ich in die abgeschiedene und ruhige Bergwelt der Seckauer Tauern ab. Vor einigen Jahren besuchten wir beim ersten Schnee des Jahres den Krugsee, nun war es an der Zeit dort auch im Sommer vorbeizuschauen. Zwar gibt es in dieser Ecke nur wenige Gipfelkreuze, doch um mein ganz großes Ziel weiter zu verfolgen, „müssen“ auch einige „kreuzlose“ Gipfel mitgenommen werden.
Vor drei Tagen noch auf dem höchsten Punkt der Seckauer, dem Geierhaupt, heute „auf der anderen Seite“. Wieder starte ich früh, um kurz nach halb sieben Uhr morgens parke ich mein Auto im verlassenen Hintertal und mache mich auf den Weg. Ich weiß, dass nun eine Stunde „Forststraßenhatscher“ auf mich warten. Das Tempo ist dementsprechend hoch. Gleich nach meinem Abmarsch werde ich von einigen Kühen neugierig beobachtet. Sie stehen direkt auf der Straße und haben auch Kälber dabei. Ich mache einen großen Bogen um die Herde und setze meine Wanderung zügig fort. Die Ochsenspitze fest im Blick geht es gut voran und ich folge nach knapp 50 Minuten einem ersten Wegweiser durch den Wald. Als ich wieder auf die Froststraße treffe steht sie da, die grimmig anmutende Krugspitze, die von hier so gar nicht einladend wirkt. Eine gute Stunde ist vergangen, als ich an den vier Markierungen, welche die Abzweigung in Richtung Krugsee markieren, ankomme.
Einen Schluck aus der Trinkflasche und schon geht’s weiter. Ich erinnere mich noch gut an den kommenden Abschnitt: ein wirklich schöner Wald, durch welchen einen stets das Rauschen des Wassers begleitet. Doch heuer ist alles anders: das Rauschen ist zwar noch da, aber der Wald wurde durch Windwurf doch stark beschädigt. Ich muss einige Male über umgeknickte Bäume kraxeln oder sie umgehen. Doch nur ein kleiner Teil wurde in Mitleidenschaft gezogen, wenig später spaziere ich durch saftig grünes Gelände und sauge die Ruhe in mich auf. Mutterseelenallein geht’s über den Krugsee-Steig/den Wanderweg 40 in nordwestlicher Richtung. Ich komme auf eine Lichtung und kann einen ersten Blick auf den imposanten Gamskögelgrat werfen. Dieser Anblick wird mich heute noch einige Zeit lang begleiten. Nun schmiegt sich der Weg an den südseitigen Hang und ich gewinne rasch an Höhe. Bei angenehmen Temperaturen erreiche ich nach knapp zwei Stunden den idyllisch gelegenen Krugsee, welcher auf zirka 1.850 Metern Seehöhe liegt. Ich verweile kurz und mache mir ein Bild auf den weiteren Weg. Links ginge es Richtung Hasenestörl, ich wandere am Seeufer entlang in Richtung Krugtörl. Eigentlich wollte ich in besagtes Törl aufsteigen, danach hätte ich aber über den markanten Felsspitz klettern müssen – zumindest ist das meine Annahme. Ich entscheide mich, etwas unterhalb den Hang zu queren und steuere dann geradewegs auf die Krugspitze zu. Eine felsige Steilstufe umgehe ich und bringe die letzten Höhenmeter hinter mich.
Mittlerweile ist es 9:20 Uhr und ich komme am 2.074 Meter hohen „Zwinger“, wie die Krugspitze auch noch genannt wird, an. Der Ausblick ist fabelhaft: Lahneck, Glaneck, Kesseleck im Südwesten, den Gamskögel quasi vor der Nase und im Osten steht der mächtige Sonntagkogel, der zwölfthöchste Gipfel des gesamten Murtals. Und hier sind wir wieder bei meinem großen Ziel: mehr als 90 Berge ragen in meinem Heimatbezirk über die 2.000er-Grenze. Ja, ich hätte gerne alle und bin bereits auf einem guten Weg und weit über die Hälfte durfte ich bereits besuchen. Der Sonntagkogel soll der krönende Abschluss, also der letzte in der langen Liste sein – und das obwohl auch seinen Gipfel kein Kreuz ziert. Eigentlich ist es komplett irrelevant, ob Kreuz oder nicht, dass merke ich bei der heutigen Tour wieder einmal. Nach einer ausgedehnten Pause, hoch ober dem Krugsee, geht es weiter, nun in Richtung Norden.
Zuerst bergab und dann steil rauf, bis zu einer unbenamten Erhebung zwischen Krugtörl und Speikleitenberg. In landschaftlich sehr reizvollem Gelände steuere ich nun auf den 2.124 Meter hohen Speikleitenberg zu und erreiche den höchsten Punkt meiner heutigen Tour um halb elf Uhr. Keine Wolke am Himmel, ein leichtes Lüfterl macht die nun doch in die Höhe gekletterten Temperaturen erträglicher. Auch hier lege ich nochmals eine Pause ein, zu schön ist die Gegend um sie gleich wieder zu verlassen. Blicke ins Gesäuse und ins Tote Gebirge und zum erst kürzlich bestiegenen Geierhaupt versüßen mir die Minuten, in welchen ich wieder Kraft für den weiteren Weg sammle. Irgendwann muss ich dann doch weiter, mein „Taxi“ ist für kurz nach 13 Uhr an den Ingeringsee bestellt – und bis dahin ist es noch weit.
Nun geht es den Grat entlang und an manchen Stellen führt einen der Pfad direkt an die Geländekante. Hier ist durchaus etwas Vorsicht geboten, vor allem wenn die Bedingungen weniger gut sind. Schnellen Schrittes wandere ich nun zum Kettentörl, den Übergang, der den Ingeringgraben mit der Kettentalalm verbindet. Folgt man dem Weg links weiter, dann kommt man irgendwann auch zur Bergerhube, einem Startpunkt vieler lohnenswerter Touren in den Triebener Tauern (zum Beispiel auf den Mödringkogel, den Kerschkern oder das Himmeleck). Ich muss rechts weiter und habe nun den langen Fußmarsch hinaus in Richtung Ingeringsee vor mir. Malerisch führt der Benediktweg durch wirklich traumhaftes Wandergelände, begleitet vom Ingeringbach führt der Zentralalpenweg 02 nun in Richtung Südosten. In weiterer Folge geht es auf der Forststraße entlang, nur ein kurzer Abschnitt führt durch ein Waldstück. Meine Schrittfrequenz ist recht hoch, will ich doch recht pünktlich am Parkplatz ankommen. Es ist 13:15, als ich am See vorbeimarschiere und den gut gefüllten Parkplatz erreiche. Und genau in jener Sekunde biegt mein Taxi ums Eck. Wir setzen uns noch für einige Minuten an den See, danach werde ich wieder in das Hintertal kutschiert.
Was für ein Tag, was für eine Tour, ganz für mich alleine. Es ging alles so leicht von der Hand, ich konnte wirklich jede Sekunde in vollen Zügen genießen. Da fällt es einem auch gar nicht so auf, dass es am Ende dann doch mehr als 18 Kilometer und knapp über 1.000 Höhenmeter waren. Diese Ecke ist und bleibt etwas ganz besonderes, bei passenden Bedingungen und einer guten Kondition und Trittsicherheit stellt diese ausgedehnte Wanderung kein Problem dar. Auch der Krugsee allein ist definitiv eine Wanderung wert – hier könnte ich ewig sitzen und einfach nur genießen. Nun gut – wieder zwei Heimatberge in meinem Tourenbuch (mittlerweile bin ich schon beim sechsten…) und doch noch einige vor mir, wie zum Beispiel den Großhansl oder den Hohenwart. Das Gute: ich hab keinen zeitlichen Druck und kann auch ab und an in andere Gebiete, um dort spannende Touren in Angriff zu nehmen. So wie kommende Woche, wo es mich, sollte das Wetter passen, wieder in die Haller Mauern zieht.
| Infobox | |
|---|---|
| Start - Ziel: | P Hintertal - P5 Ingeringsee |
| Höhenmeter: | 1000 |
| Distanz (km): | 18,5 |
| Gehzeit (exkl. Pausen): | 4,5-6,5h |
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