Frauenmauer

1.827m | Hochschwab, Steiermark

„Auf der Mauer, auf der Lauer“: aussichts- und abwechslungsreich im westlichen Hochschwab!

Die Bergwelt um den Präbichl hält jede Menge interessanter Gipfelziele parat. Die Bandbreite geht von Paradetouren wie den Eisenerzer Reichenstein oder die Leobner Mauer, bis hin zu weniger oft begangenen Routen, wie jene auf die Frauenmauer. Ein Aussichtspunkt, inmitten einer traumhaften Kulisse, wo es sogar noch ein Gipfelbuch aus dem vergangenen Jahrtausend gibt.

Es ist das Wochenende des alljährliches Erzberg Rodeos, bei meiner Fahrt über den Präbichl habe ich einen schönen Blick auf das Plateau, welches übersät mit Wohnwägen ist, Ein Spektakel, welches jährlich Tausende Menschen in die sonst doch leider recht verlassene Gegend lockt.

Doch mich lockt diese Gegend regelmäßig aufgrund seiner lohnenswerten Gipfelziele – und weil es für Carina und mich die geografische Mitte ist. Für beide ist es in etwa eine Stunde Anfahrtszeit, je nach Tourenziel. Es war der 7. September, als wir unsere letzte gemeinsame Wanderung erleben durften. Damals besuchten wir die TAC-Spitze, die Griesmauer und die Leobner Mauer. Die letzten Monate gab es sehr gute Gründe, warum es zu keinen Touren gekommen ist, aber nun, 91 Wochen oder 637 tage später, freuen wir uns auf „friendstime“.

Diese beginnt am Samstagmorgen um 7:30, in der Gsollkehre kurz außerhalb der Stadt Eisenerz. Dort gibt es einen großzügigen Parkplatz, der an diesem Tag aber schon recht gut gefüllt ist. Ob es am Erzberg liegt? Möglich, denn auf unserer Wanderung sollten uns nur sehr wenige Wanderer entgegenkommen. Nun gut: auf knapp 950 Metern Seehöhe starten wir und bringen bis zum ersten Etappenziel, der Gsollalm, um die 250 Höhenmeter hinter uns. Entspannt wandern, begleitet vom Rauschen des Gsollbachs wir die Forststraße entlang und erreichen nach einer knappen Dreiviertelstunde die schöne Freifläche „unterhalb“ der Frauenmauer. Die Wiesen leuchten in saftigen Grün, die Frauenmauer selbst, die quasi den Talabschluss bildet, liegt noch im Schatten und wirkt etwas kalt, unnahbar, wenig einladend. 

An der Gsollhütte trennen sich die Wege: rechts könnte man in Richtung Neuwaldeggsattel wandern, doch das soll unsere Variante für den Rückweg werden, somit halten wir uns links und spazieren weiter in die Hintere Gsöll. Ab und an gibt es Markierungen, den Weg kann man aber eigentlich nicht verfehlen. Wir kommen der Wand immer näher, der Forstweg verändert sich nun in ein steiler werdendes Steigerl. Dieses schmiegt sich gekonnt an das Gelände an und schlängelt sich Richtung Bärenloch empor. Durch den Regen des Vortags ist es noch etwas nass, allerdings ist der Steig in gutem Zustand – wir kommen gut voran und durch die Steilheit gewinnen wir auch rasch an Höhe. Auf zirka 1.350 Metern Seehöhe biegt rechts der Weg zum Westeigangs der Frauenmauerhöhle ab (zur Höhle selbst später mehr). Wir müssen und links halten und erreichen wenig später den „Bärenlochsteig“. ein kurzes Steilstück, ausgestattet mit zwei Eisenleitern und eine, Stahlseil, welches man zur Hilfe nehmen kann. Das klingt alles wilder als es ist. Mit etwas Konzentration ist die sehr kurze Stelle schnell gemeistert und wir genehmigen uns danach eine kurze Trinkpause in der nun wohltuenden Sonne. Von hier sind es nur mehr wenige Gehminuten, bis wir eine Kreuzung erreichen. Von hier führt der Weg 832 weiter. Diesem müsste man Folgen, würde man den Brandstein als Tagesziel auserkoren haben. Unser Ziel steht aber südlich, allerdings ist der Weg dorthin nicht mehr markiert.

Dank meiner Vorbereitung auf die Tour weiß ich, dass der Weg zuerst mittig, aber dann rechts entlang der Geländekante verläuft. Von der Kreuzung können wir auch Teilstücke des Weges ausmachen. Die „Abzweigung“ auf den Aufstiegsweg ist etwas vor der Wegkreuzung, diese ist eigentlich recht gut auszumachen. Was wir schon von besagter Kreuzung aus gesehen haben: auf unserem Weg stehen ein paar Steinböcke, aber die werden wohl recht schnell abhauen, sollten wir näher kommen. Tja, dachten wir zumindest, denn als wir uns den Königen der Berge näher, bleiben diese ruhig stehen, haben uns aber dennoch fest im Blick. Bis auf zehn Meter kommen wir an die majestätischen Tiere heran und können unser Glück kaum fassen. Insgesamt fünf Tiere hielten sich in unserer unmittelbaren Umgebung aus. Ob das Rudel aus noch mehr Exemplaren besteht, weiß ich leider nicht. Einige Minuten verbringen wir „in deren Gesellschaft“, ehe wir uns wieder an den Aufstieg machen, denn insgesamt sind es von der Kreuzung noch um die 200 Höhenmeter.

Der Weg wird steiler, etwas unwegsamer – die Feuchtigkeit hat es stellenweise zu einer Rutschpartie gemacht. Aber wir kommen dennoch gut voran. Am Ende schlängelt sich der Weg durch Latschengasse zum Gipfel, stellenweise recht nah an der Geländekante entlang. Um Punkt zehn Uhr erreichen wir dann den Westgipfel der 1.827 Meter hohen Frauenmauer und staunen nicht schlecht, wie schön eingebettet dieser Aussichtspunkt liegt. Unzählige bereits besuchte Berge können wir ausmachen: darunter der Eisenerzer Reichenstein, Wildfeld und Stadelstein, der Zeiritzkampel. Polster oder auch der Große Ebenstein und der Buchbergkogel. Was folgt ist eine ausgedehnte Rast, die wir etwas abseits des Westgipfels genießen. Gleich ums Eck steht auch das kleine Kreuz am Ostgipfel. Das Wetter hält noch gut aus, auch wenn hier und da die eine oder andere Wolke mehr wird. Beeilen müssen wir uns aber nicht und können die Gegend in vollen Zügen genießen.

Im Abstieg bringen wir ein paar rutschige Stellen mit etwas Vorsicht hinter uns und biegen an oben erwähnter Kreuzung nun rechts ab. Mit der Messnerin im Blick wandern wir kurz in Richtung Osten, ehe der in Richtung Süden dreht und uns an der Ostwand der Frauenmauer vorbeiführt. Das Gelände fällt hier durchaus steil ab und auch wenn es nur ein Wiesenhang ist, man sollte hier durchaus konzentriert sein. Zu linkerhand liegt die malerisch gelegene Neuwaldalm, weiter talauswärts folgt die Jassingalm, ehe man danach zum Grünen See käme.

Nach ein paar Gehminuten erreichen wir nun den Osteingang der insgesamt 644 Meter langen Frauenmauerhöhle. Diese kann durchwandert werden, es ist aber ratsam es mit höhlenkundigen Personen zu tun. Wir gehen nur einige Meter in die Finsternis – immer wieder beeindruckend, welch eisiger Luftzug sich einem sofort entgegnet. Auch Kaiserin Elisabeth besuchte diese Höhle – eine Gedenkstein zeugt davon.

Gut abgekühlt geht es dann weiter zum Neuwaldeggsattel. Von hier könnte man wieder zur Neuwaldalm absteigen oder weiter in Richtung Hirscheggsattel spazieren – dieser bildet die Einsattelung zwischen dem Polster um Fledermausgrat in Richtung Griesmauer. Dem Weg 833 folgend geht es für uns nun talwärts. Angeschrieben ist eine Stunde aber nach knappen 45 Minuten Gehzeit erreichen wir nun die Gsollalm und bringen die letzten Meter bis zu unseren Autos auf der Forststraße hinter uns. Es ist exakt 13 Uhr, als wir wieder am Ausgangspunkt ankommen und eine wirklich fantastische Wanderung beenden.

Müsste man die Wanderung auf und um die Frauenmauer kurz und prägnant beschreiben, dann würden folgende Worte einfallen: abwechslungsreich, einsam, imposant, aussichtsreich. Eine echte Traumtour im westlichen Hochschwab, die anscheinend nicht so überlaufen ist, wie viele andere. Wie ich auf diesen Schluss komme? Im Gipfelbuch ist der erste Eintrag aus dem Jahr 1998 und auch wenn klar ist, dass sich nicht jeder einträgt, zeigt es doch, dass der Großteil der Wanderer, andere Gipfel dieser Region bevorzugen. Für Carina und mich waren es äußerst schöne Stunden, die wir gemeinsam in der wunderschönen Steiermark verbringen konnten. Stunden, in welchen Tausende Wörter gesprochen wurden, am Ende aber auch viele neue Ziele ins Auge gefasst wurden. So wird sich unser „Bergbuddies-Trio“, bestehend aus Carina, Xenia und mir, sofern auch das Wetter mitspielt, Mitte August auf den Lugauer, das „steirische Matterhorn“ begeben.

Infobox
Start - Ziel:Parkplatz Gsollkehre
Höhenmeter:950
Distanz (km):12
Gehzeit (exkl. Pausen):3,5-5h
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