2.385m | Wölzer Tauern, Steiermark
Auf traumhaften Pfaden über die aussichtsreiche Pyramide aus Glimmerschiefer
Der Hochstubofen: bereits vor vier Jahren war ich mit Jacky und Anna hier. Damals verweigerte eine hartnäckige Wolkenfront jegliche Fernsicht, somit blieb in den letzten Jahren immer ein „wie sieht es dort wohl bei Schönwetter aus“-Gefühl. Und jeder, der mich kennt, weiß, dass ich in keinem Gebiet so gerne unterwegs bin, wie in den Wölzer Tauern. 1.479 Tage nach meinem ersten Besuch war es wieder soweit.
Vor einer Woche war ich mit Michi in der Osterhorngruppe unterwegs – dort trotzten wir den hohen Temperaturen, welche uns eine kräftige Hochdruckwetterlage bescherte. Diese hat Österreich noch immer fest im Griff, somit gilt auch für heute: „Früh los“. Von mir zuhause ist es eine nicht allzu kurze Anfahrt, in etwa 1 Stunde und 15 Minuten sind es zum Startpunkt bei der Winkleralmkehre, knapp 300 Höhenmeter unter der Passhöhe des Sölkpass. Warum dieser Startpunkt? 2022 sind wir im Eselsberggraben gestartet, diese Aufstiegsroute kenne ich also schon. Mich reizt nun die andere Variante und noch dazu gehen wir hier der Sonne für weite Teile des Aufstiegs aus dem Weg.
Es ist kurz nach 7 Uhr morgens, als ich die auf 1.788 Meter gelegene Passhöhe passiere und wieder etwas bergab fahre. Auf einmal steht ein Reh mit zwei kleinen Kitzen auf der Straße. Neugierig blicken sie in meine Richtung und wackeln dann an den Straßenrand. Ein erstes Highlight am heutigen Bergtag. Gleich darauf treffe ich auch auf Xenia und Martin, die mich heute bei der Rundtour begleiten. Vorbei am Startpunkt für die Tour auf das Deneck, parken wir unsere Autos an der auf 1.490 Meter gelegenen Winkleralmkehre.
Vom Parkplatz folgen wir dem Weg 926 in südöstlicher Richtung. Dieser verläuft hier auf einer Forststraße, welche wir nach einer halben Stunde verlassen und der Beschilderung in Richtung Hochstubofen folgen. Nach einem kurzen, etwas steileren Stück, dreht der Weg nun nach rechts und führt uns mäßig steigend weiter Kar-einwärts. Begleitet vom schon in voller Blüte stehenden Almrausch spazieren wir bis auf knapp 2.000 Meter Seehöhe. An der Kreuzung könnte man links in Richtung Haseneckscharte wandern, von dieser werden wir in ein paar Stunden absteigen. Wir queren in weiterer Folge den Hochstubofen und dessen Nordostgrat. Herrlich ist es hier: keine Menschenseele, Sonne und Schatten wechseln sich ab, ein kühler Luftzug macht den Aufstieg um ein Vielfaches angenehmer. Je näher wir dem Gipfelaubau kommen, umso mehr steilt der Weg an. Dieser führt im Schlussanstieg am der Südwestkante des Hochstubofens entlang. Nie ausgesetzt, aber imposante Tiefblicke gibt es dennoch immer wieder. Xenia und ich beobachten bei einer kurzen Trinkpause einen Wanderer, welcher vom Hornfeldspitz über den zackigen Grat rüberklettert. Als er uns einholt und ich ihn frage, wie die Wegführung so ist, antwortet er: „A bissl zum Kraxeln is scho“. Das genügt – für mich ist das wohl nichts, Xenia hingegen hat schon wieder ihren ganz besonderen Gesichtsausdruck aufgesetzt. Sie liebt etwas spannendere Routenverläufe, ich mags entspannter. Ganz so entspannt sind die letzten Höhenmeter für mich dann nicht: Xenia und Martin sind schon oben, ich quäle mich auf den letzten 50 Höhenmetern irgendwie, aber die Vorfreude auf die bevorstehende Gipfeljause hievt mich die letzten Schritte nach oben.
Nach 2,5 Stunden heißt es dann zum zweiten Mal „Gipfelsieg am Hochstubofen“. Und heute mit prachtvollem Panorama. Gipfel, soweit das Auge reicht. Was mich immer am meisten freut: jede Menge Berge, die ich bereits besuchen durfte. Ganz nah der Rettlkirchspitz im Süden, und auch Hornfeldspitz, sowie Eisenhut – der Felsthron oberhalb der idyllisch gelegenen Zwieflerseen. Mit Sicherheit eine der schönsten Wanderungen der letzten Jahre. Am Deneck dürfte heute auch reger Betrieb sein. Hochgolling und Co. sind auch deutlich zu erkennen. Schön, ich genieße solche Momente sehr, wo ich einfach nur sitze und den Blick durch diese famose Naturlandschaft schweifen lassen kann. Dazu eine gute Jause, Zeit mit meinen Freunden – was will man mehr? Aber leider geht jede Gipfelrast irgendwann zu Ende. Martin und ich lassen Xenia entscheiden, ob wir die Überschreitung machen, oder ob wir über den gleichen Weg wieder absteigen. Die Wahl fällt auf den Abstieg in die Rocklscharte und danach weiter über die Haseneckscharte zurück zum Ausgangspunkt.
Also geht es nun einige Höhenmeter über Felsblöcke bergab. Eine etwas luftigere Passage kann man auch gut umgehen. Bis in die Rocklscharte, die den natürlichen Übergang zwischen dem 2.385 Meter hohen Hochstubofen und der majestätischen Rettlkirchspitze bildet, sind es um die 140 Höhenmeter. Der Dort angekommen biegen wir nach einem kräftigen Schluck aus der Trinkflasche links ab und folgen dem Weg 926B. Steil und steinig, so könnte man die nächsten knapp 100 Höhenmeter im Abstieg beschreiben. Diese bringen wir recht rasch hinter uns, passieren wenig später die Quelle des Eselsbergbaches und kommen um kurz vor halb zwölf Uhr zu einer Kreuzung. Im Abstieg käme man von hier zur Hölzler Hütte, dem Ausgangspunkt für viele lohnenswerte Touren wie zum Beispiel auf den Talkenschrein oder die Oberwölzer Schoberspitze. Wir brauchen eine kurze Verschnaufpause, denn die steigenden Temperaturen machen sich ab und an durchaus bemerkbar. 40 Minuten sollen es laut Beschilderung von hier auf die Haseneckscharte sein. Nun ja – uns bleibt schlussendlich auch nichts anderes mehr übrig, als die etwas weniger als 200 Höhenmeter hinter uns zu bringen.
Die nun immer heißeren Temperaturen sorgen dafür, dass wir in der Tat exakt 40 Minuten für den Aufstieg in die Scharte brauchen. Dort angekommen gibt es eine wohlverdiente Pause. Eine neue Perspektive auf den Hochstubofen bietet sich mir – von dieser Seite wirkt er fast am imposantesten. Generell bildet der markante Gipfel eine formschöne Pyramide, die von allen Seiten mehr oder weniger steil abfällt. Schon im Aufstieg haben wir den Weg abwärts von der Haseneckscharte erspäht. Dieser windet sich im Zick-Zack hinunter zu vorhin erwähnter Weggabelung. Kurz davor passieren wir einen kleinen, malerischen See, lassen diesen aber „links liegen“ – Martin und ich wissen nämlich schon genau, wo wir uns abkühlen werden. Von nun an folgen wir unserem Aufstiegsweg und spazieren entlang des Großsölkbaches, der bei besagtem kleinen See entspringt, bis kurz vor den Parkplatz. Dort haben wir im Aufstieg eine kleine Wehr erspäht, ideal für die nun wohltuende Abkühlung nach einer äußerst schönen Rundtour über einen der höchsten Vertreter „meiner“ Wölzer Tauern.
Müsste ich den Hochstubofen nochmals besteigen – und das werde ich in den kommenden Jahren sicher wieder einmal – dann wieder von der Sölk-Seite. Sie ist für mich landschaftlich reizvoller und das man der Sonne über weite Strecken aus dem Weg gehen kann, freut mich, der eher mit Noblesse ausgestattet ist, umso mehr.
| Infobox | |
|---|---|
| Start - Ziel: | Parkplatz Winkleralmkehre |
| Höhenmeter: | 1100 |
| Distanz (km): | 10,3 |
| Gehzeit (exkl. Pausen): | 3,5-5h |
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